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31. August 2020

Human

Katrine von Hutten
 
Dieser Sommer trägt die Eichel frei.
Das geht nicht ohne weiteres
Das vierbeinige Bett
die tausendfüssige Matratze
das einbeinige Glück
oft gedacht, in Wirklichkeit oft
und rasend gern.
Sei bitte etwas butziger zu mir.
 
VERSATILE ASSASSINS  "Human"

1. Januar 2018

2000000018

Statt vieler Wünsche für die Ewigkeit gibt es diesmal den Versuch meiner gestrigen Übersetzung zu dem im Video unglaublich vorgetragenen russischen Gedicht von Ok Melnikova. Happy Birthday, 2018, happy birthday. 
Дорогие русскоязычные, просто смотрите и слушайте видео.


Alle wichtigen Phrasen

Alle wichtigen Phrasen sollten leise sein,
Alle Bilder mit den Nächsten immer unscharf.
Alle komischen Leute sind immer die Größten,
Und die Ursachen für das Glück immer banal.
Das Ehrlichste hört man in der Küche nachts,
Denn wenn man über die Gefühle spricht - doch nicht am Telefon,
Und wenn weinen, dann heulen wie ein Wolf,
Damit es wie ein Echo im halben Ortsteil melancholisch hallt.
Die Lieblingslieder werden immer mit einer heiseren Stimme gesungen,
Alle Lieblingsgedichte sind alle unbekannt.
Alle Arroganten sind immer gleich einer Null,
Und alle nahen Menschen - immer aus einer anderen Stadt.
Alle wichtigen Begegnungen sind immer ein Zufall,
Alle, die deine treusten Untertanen sind, begehen einen Verrat,
Die Zirkusclowns sind immer traurig,
Und die sturen Skeptiker leben immer in einem Traum.
Wenn das Haus gemütlich ist, ist es gar kein Schloss,
Sondern eine alte Wohnung in Odessa.
Wenn man sich an jemanden bindet - dann für immer, fest.
Auch wenn jetzt nicht alles so ist, hoffe drauf.
Ja, jetzt ist es anders, aber glaub: Wir werden sein,
Wenn man etwas ändert, dann das ganze Leben vom Neuen.
Das, was das Wichtigste ist, wird nie vergessen sein,
Geniale Gedanken sind immer sowas Blödsinniges.
Wer unnötige Menschen aus dem Leben streicht, ist frei,
Man muss diejenigen loslassen, die zu verschieden sind.
Denn wenn die Laune am Neujahr nicht dem Silvester gleicht,
Dann feierst du es nicht mit den Richtigen.

25. April 2017

Wir emigrieren in die Lippen voneinander

Jewgeni Jewtuschenko

"Wir emigrieren in die Lippen voneinander 
Aus diesem unglücklichen Land. 
... 
Unsere Lippen - wunderschöne Länder, 
In ihnen sind wir frei."

(Übersetzt von Ann)

Chromatics "Lady"
  
Евгений Евтушенко
Любовь по-португальски

Ночь, как раны, огни зализала.
Смотрят звезды глазками тюрьмы,
ну а мы под мостом Салазара —
в его черной-пречерной тени.

Оказал нам диктатор услугу,
и, ему под мостом не видны,
эмигрируем в губы друг к другу
мы из этой несчастной страны.

Под мостом из бетона и страха,
под мостом этой власти тупой
наши губы — прекрасные страны,
где мы оба свободны с тобой.

Я ворую свободу, ворую,
и в святой уворованный миг
счастлив я, что хотя б в поцелуе
бесцензурен мой грешный язык.

Даже в мире, где правят фашисты,
где права у людей так малы,
остаются ресницы пушисты,
а под ними иные миры.

Но, одетая в тоненький плащик,
мне дарящая с пальца кольцо,
португалочка, что же ты плачешь?
Я не плачу. Я выплакал все.

Дай мне губы. Прижмись и не думай.
Мы с тобою, сестренка, слабы
под мостом, как под бровью угрюмой
две невидимых миру слезы...

(1967, Лиссабон)

Welten hören auf

Jewgeni Jewtuschenko
Uninteressante Menschen gibt es nicht
Uninteressante Menschen gibt es nicht.
Jeder hat seine Geschichte, sein Gesicht,
das nur ihm gehört. Ein jeder ein Planet:
So reich, und keiner, der ihm gleicht. Versteht:


Auch wenn einer unauffällig lebt,
der nichts als Unauffälligkeit erstrebt,
ist er unter allen andern dann
durch seine Unauffälligkeit interessant.


Jeder hat seine geheime Welt,
von einem schönsten Augenblick erhellt,
von einem schrecklichsten Tag versehrt:
und allen andern ist sie ganz verwehrt.


Und wenn ein Mensch stirbt, stirbt mit ihm
sein erster Schnee aus jener grauen Früh,
sein erster Kuss nachts und sein erster Zorn:
und all das nimmt er mit sich fort.


Bücher bleiben uns und Brücken, Kram
und Maschinen, Leinwände, gut gerahmt
Geschmeide und Gelumpe – vieles bleibt:
und alles andre zerfällt mit seinem Leib.


Das ist das Gesetz dieses rohen Laufs,
nicht Menschen sterben: Welten hören auf.
Wir weinen ihnen eine Träne nach
und erkannten sie nicht am hellen Tag.


Was wissen wir vom Bruder und vom Freund,
von ihr, die nah uns ist und ferne träumt!
Vom eignen Vater, Gesicht gegen Gesicht,
wissen wir, alles wissend, nichts.


Die Menschen gehen fort… Dann sind sie fort.
Ihre Welten sind ein toter leerer Ort.
Und jedesmal, und denk ich dein,
möchte ich über dieses Ende schrein.


(Auf Deutsch übersetzt von Volker Braun)

President Nixon meets with Russian poet Yevgeny Yevtushenko

von Oliver F. Atkins, 1916-1977, Photographer (NARA record: 8451334) (U.S. National Archives and Records Administration) [Public domain], via Wikimedia Commons

Евгений Евтушенко

Не исчезай

Не исчезай... Исчезнув из меня,
развоплотясь, ты из себя исчезнешь,
себе самой навеки изменя,
и это будет низшая нечестность.

Не исчезай... Исчезнуть — так легко.
Воскреснуть друг для друга невозможно.
Смерть втягивает слишком глубоко.
Стать мертвым хоть на миг — неосторожно.

Не исчезай... Забудь про третью тень.
В любви есть только двое. Третьих нету.
Чисты мы будем оба в Судный день,
когда нас трубы призовут к ответу.

Не исчезай... Мы искупили грех.
Мы оба неподсудны, невозбранны.
Достойны мы с тобой прощенья тех,
кому невольно причинили раны.

Не исчезай. Исчезнуть можно вмиг,
но как нам после встретиться в столетьях?
Возможен ли на свете твой двойник
и мой двойник? Лишь только в наших детях.

Не исчезай. Дай мне свою ладонь.
На ней написан я — я в это верю.
Тем и страшна последняя любовь,
что это не любовь, а страх потери.

(1977)


Я люблю тебя больше природы...

Я люблю тебя больше природы,
Ибо ты как природа сама,
Я люблю тебя больше свободы,
Без тебя и свобода тюрьма!

Я люблю тебя неосторожно,
Словно пропасть, а не колею!
Я люблю тебя больше, чем можно!
Больше, чем невозможно люблю!

Я люблю безрассудно, бессрочно.
Даже пьянствуя, даже грубя.
И уж больше себя - это точно.
Даже больше чем просто себя.

Я люблю тебя больше Шекспира,
Больше всей на земле красоты!
Даже больше всей музыки мира,
Ибо книга и музыка - ты.

Я люблю тебя больше славы,
Даже в будущие времена!
Чем заржавленную державу,
Ибо Родина - ты, не она!

Ты несчатна? Ты просишь участья?
Бога просьбами ты не гневи!
Я люблю тебя больше счастья!
Я люблю тебя больше любви!

(1995)




Не понимать друг друга страшно...

Не понимать друг друга страшно -
не понимать и обнимать,
и все же, как это ни странно,
но так же страшно, так же страшно
во всем друг друга понимать.

Тем и другим себя мы раним.
И, наделен познаньем ранним,
я душу нежную твою
не оскорблю непониманьем
и пониманьем не убью.

(1956)
 
 

5. Februar 2017

What remains

Kurt Tucholsky "AUS!"
Einmal müssen zwei auseinandergehn;
einmal will einer den andern nicht mehr verstehn—
einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein –
wer ist daran schuld?
Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit.
Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit.
Jeder trägt den andern mit sich herum –
etwas bleibt immer zurück.
Einmal hat es euch zusammengespült,
ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann erkühlt –
Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab -:
ein neuer Mensch.
Jeder geht seinem Schicksal zu.
Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du.
Jeder sucht seine Zukunft. Und geht mit stockendem Fuß,
vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und Gruß
in ein fernes Land. 

Hundreds "What Remains" (Penwood Heavy Handed Remix)


16. Januar 2017

Junges Weib, von Gott verlassen

Da bist du, von Feuer zu Feuer springst mit den nackten Füssen über den wilden Flammen, du - das neue Jahr, das in Paris begonnen hatte und das Alte hinter dir ließest. Angezündet hast du es in mir und es taumelt langsam das Neue, das Schöne, das bis zur Schmezensgrenze Sanfte und nach Geborgenheit stark Verlangende. Das Jahr ist noch ein Kind, wie ein kleiner Marienkäfer, der in meiner Provinzstadt-Wohnung, fern von Paris, den Winter gerade überwartet und meine Hand als seine Landefläche entdeckt; es kitzelt, wenn er über meine  schreibende Hand kriecht. Es ist da, an meiner Hand, spürst du es?

Die Freiheit mit dir spüren, sie ausrufen können, wie ein Wolf zu dem Himmel, wie ein nie bis jetzt frei gewesener Mensch in der Ekstase der Einigung mit der Natur, deiner Natur, in der Kälte, die das Feuer zum Menschen macht. Frei zu sein, in dir, zu küssen, zu wollen, zu träumen, so schön zu träumen, so unschuldig. So nackt in unseren Träumen. 

Und dann las ich Else... 


Porträt von Else Lasker-Schüler, 1907, Quelle: Public Domain, via: wikipedia

Else Lasker-Schüler
Sehnsucht
Mein Liebster, bleibe bei mir die Nacht.
Ich fürchte mich vor den dunklen Lüften.
Ich hab' so viel Schmerzliches durchgemacht
Und Erinnerung steigt aus den Totengrüften.
Ich fürchte mich vor dem Heulen der Stürme
Und dem Glockengeläute der Kirchentürme,
Vor all' den Thränen, die heimlich fließen
Und sich über meine Sehnsucht ergießen.

Leg deine Arme um meinen Leib,
Du mußt ihn wie dein Kind umfassen;
Ich seh' im Geiste ein junges Weib -
Das Weib bin ich - von Gott verlassen .....
Mein Liebster, erzähle von heiteren Dingen!
Und ein Lied von Maienlust mußt du singen!
Und herzige Worte und schmeichelnde sag -...
Damit sie die Raben des Schicksals verjagen.

Mein Liebster, siehst du die bleichen Gespenster?
Von mitternächtlichen Wolken getragen...
Sie klopfen deutlich ans Erkerfenster.
Ein Sterbender will »Lebewohl« mir sagen.
Ich möchte ihm Blüten vom Lebensbaum pflücken....
Und die Schlingen zerreißen, die mich erdrücken!
Mein Liebster, küsse, - küß' mich in Gluten
Und laß deinen Jubelquell über mich fluten!

24. September 2016

Seil

Mascha Kaleko
"Seiltänzerin ohne Netz"

Mein Leben war ein Auf-dem-Seile-Schweben.
Doch war es um zwei Pfähle fest gespannt.
Nun aber ist das starke Seil gerissen:
Und meine Brücke ragt ins Niemandsland.

Und dennoch tanz ich und will gar nichts wissen,
Teils aus Gewohnheit, teils aus stolzem Zorn.
Die Menge starrt gebannt und hingerissen.
Doch gnade Gott mir, blicke ich nach vorn.


(aus: In meinen Träumen läutet es Sturm)

29. Juli 2016

Sweetness


... Trudle durch die Welt. Sie ist so schön, gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben. ...
Kurt Tucholsky

31. Dezember 2015

Freiheit, Fehler zu machen

Sehr interessant schreibt Mises über die Freiheit, Fehler zu begehen.

"(...) Tatsache ist, daß es in einem kapitalistischen System letzten Endes die Verbraucher sind, die Befehle geben. Der Souverän ist nicht der Staat, sondern das Volk. Ein Beweis, daß die Verbraucher die wahren Herrscher sind, liegt nicht zuletzt auch darin, daß sie das Recht haben, Dummheiten zu begehen. Das ist das Vorrecht des Herrschers. Er hat das Privileg, Fehler machen zu können, niemand kann ihn davon abhalten; er muß allerdings auch für seine Fehler bezahlen. Wenn wir feststellen, daß der Verbraucher an erster Stelle steht, daß er der Souverän ist, sagen wir damit nicht, daß er frei von Fehlern ist und jederzeit weiß, was das Beste für ihn ist. Sehr oft kaufen die Verbraucher Dinge, die sie vernünftigerweise nicht kaufen oder konsumieren sollten.
Es ist jedoch ein Irrtum zu glauben, daß im kapitalistischen System eine Regierung die Menschen durch Kontrollen davon abhalten könnte, sich selber zu schaden. Die Vorstellung, daß der Staat eine väterliche Autorität, daß er jedermanns Wächter ist, stammt von den Sozialisten. Vor einigen Jahren unternahm die Regierung in den USA einen gutgemeinten Versuch. Dieses sogenannte "noble Experiment" war ein Gesetz, das den Genuß von alkoholischen Getränken verbot. Es ist sicher richtig, daß viele Leute zuviel Branntwein oder Whisky trinken und daß sie sich damit schaden können. Viele Behörden in den USA bekämpfen auch das Rauchen. Sicherlich gibt es viele Menschen, die zuviel rauchen, obwohl es für sie besser wäre, nicht zu rauchen. Das wirft die Frage auf, die weit über eine wirtschaftliche Diskussion hinausgeht. Sie zeigt nämlich, was Freiheit wirklich bedeutet.
Nehmen wir mal an, es sei gut, den Menschen zu verbieten, sich durch übermäßiges Rauchen oder Trinken selbst zu schaden. Aber hat man einem solchen Verbot einmal stattgegeben, werden andere kommen und sagen: Ist der Körper alles? Ist nicht der menschliche Geist viel wichtiger? Ist nicht der Geist das eigentlich Menschliche an uns, die einzig wirklich menschliche Qualität? Wenn man der Regierung das Recht zugesteht, über den Verbrauch des menschlichen Körpers zu entscheiden, nämlich, ob man rauchen, trinken oder nicht trinken soll, dann ist es schwer, den Leuten eine richtige Antwort zu geben, die behaupten: "Der Geist und die Seele sind viel wichtiger als der Körper, und der Mensch schadet sich weit mehr, wenn er schlechte Bücher liest oder schlechte Musik hört und sich schlechte Filme ansieht. Es ist deshalb Pflicht der Regierung, die Menschen davon abzuhalten, diese Fehler zu begehen."
Wie Sie wissen, haben Regierungen und Behörden viele Jahrhunderte lang geglaubt, daß das wirklich ihre Aufgabe sei. Dies geschah keineswegs nur in den früheren Zeiten. Vor nicht allzu langer Zeit gab es in Deutschland eine Regierung, die es als ihre Pflicht ansah, zwischen guter und schlechter Malerei zu unterscheiden. Was gut und schlecht war, entschied ein Mann, der in seiner Jugend die Zulassungsprüfung für die Kunstakademie in Wien nicht bestanden hatte und sein Leben mit dem Malen von Postkarten fristete. Was gut oder schlecht war, entschied also ein Postkartenmaler. Und wer andere Ansichten über Kunst und Malerei äußerte als der oberste Führer, machte sich strafbar.
Räumt man erst einmal ein, daß es Pflicht des Staates sei, den Alkoholkonsum zu kontrollieren,  was kann man dann denen antworten, die behaupten, die Kontrolle von Büchern und Ideen sei viel wichtiger?
Freiheit bedeutet auch die Freiheit, Fehler zu machen. Dessen müssen wir uns bewußt sein. Wir dürfen durchaus sehr kritisch sein gegenüber unseren Mitbürgern, gegenüber der Art wie sie ihr Geld ausgeben und ihr Leben führen. Wir mögen der Ansicht sein, daß sie sich absolut töricht und schlecht verhalten. In einer freien Gesellschaft gibt es jedoch viele Möglichkeiten, unsere Meinung darüber zu äußern, wie sie ihre Lebensweise ändern sollten. Man kann Bücher oder Artikel schreiben, man kann Reden halten, man kann sogar, wenn man will, an Straßenecken predigen. Und das wird auch in vielen Ländern so gehalten. Aber man darf nicht gewissermaßen mit Polizeigewalt andere Menschen davon abhalten, gewisse Dinge zu tun, nur weil man selbst nicht will, daß die anderen die Freiheit dazu haben. 
Das ist der Unterschied zwischen Sklaverei und Freiheit. Der Sklave muß tun, was ihm sein Herr befiehlt, aber der freie Bürger - und das ist es, was Freiheit wirklich bedeutet - hat die Möglichkeit, seinen eigenen Lebensweg selbst zu wählen.(...)"

Aus: Ludwig von Mises, Vom Wert der besseren Ideen (Sechs Vorlesungen über Wirtschaft und Politik), Olzog Verlag 2008, S 45-47. [amazon]

Russische Küche und Kultur

Ein interessanter Sammelband ist an der Uni Potsdam von Norbert Franz herausgebracht worden: "Russische Küche und kulturelle Identität" (2013).
Aus der Buchbeschreibung:
"Nach sieben Jahrzehnten Sowjetunion sind die Russen in vielen ihrer Essgewohnheiten wieder zu den Traditionen der vorrevolutionären Zeit zurückgekehrt. Die Esskultur, die private wie die der Restaurants, hat wieder einen hohen Stellenwert, Kochbücher und Ratgeber in Fernsehen und Internet haben Konjunktur. Die wissenschaftliche Erforschung dieser Sparte der Kultur hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Im Frühjahr 2010 fand an der Universität Potsdam die erste internationale und interdisziplinäre Tagung zum Thema „Russische Küche und kulturelle Identität“ statt. Der vorliegende Sammelband enthält viele der dort vorgestellten Beiträge in Aufsatzform. Es sind kultur- und literaturwissenschaftliche Untersuchungen zu Essen und Trinken in Russland. Untersucht werden nicht nur die Bedeutung einzelner Speisen und Zubereitungsarten und die Mahlzeit als soziales Geschehen, sondern auch der Verzicht auf Nahrung, sei es freiwillig als Fasten, sei es erzwungen als Hunger. Eine andere Gruppe von Beiträgen geht der Rolle des Essens als literarischem Motiv nach, eine weitere bildlichen Darstellungen. Auch das Trinken wird bedacht. In der Kultur durchweg klar kodiert, eignen sich Essen und Trinken ganz besonders als literarische Zeichen, die in den Werken unterschiedlichste Funktionen übernehmen können. Als Ganzes eröffnen die Beiträge erste Durchblicke in ein großes und bislang oft vernachlässigtes Forschungsgebiet." Quelle
Aus dem Kapitel "Rituale des Trinkens in der Literatur" im Literarischen Trinken von Anne Hultsch:
"Die Ukrainer essen zu jedem Glas Schnaps etwas Nahrhaftes und Intensives, Speck zum Beispiel. Die Russen essen nichts dazu, riechen nur manchmal am Brot – ihrer Ansicht nach ist es hinausgeworfenes Geld, zum Wodka etwas zu essen. Er soll nicht schmecken, sondern wirken. Und die Chance darauf ist um so größer, je weniger gegessen wird. (Andruchowytsch 2005)
Американцы наивные, черствые, бессердечные. Дружить с американцами невозможно. Водку пьют микроскопическими дозами. Все равно что из крышек от зубной пасты… (Dovlatov 2000, 104)"*
*Die Übersetzung von Anne Hultsch: „Die Amerikaner sind naiv, gefühllos, herzlos. Mit Amerikanern befreundet zu sein, ist unmöglich. Sie trinken den Vodka in mikroskopischen Dosen. Soviel wie aus dem Verschluß einer Zahnpastatube…“Quelle
Hier kann man das Buch runterladen.  
Bild-Quelle: amazon  

Die besten Trinkszenen oder besser gesagt die Betrunkenen-Szenen im Kino am Silvester kenne ich aus meiner Kindheit, und zwar zwei Fragmente aus dem sowjetischen Film "Die Ironie des Schicksals oder ... " ("Ирония судьбы, или с легким паром!"):




Mehr über die russische Küche, Rezepte und Literatur, sogar Poesie gibt es hier nachzulesen.

Wo bist du, ferne Stadt

Else Lasker-Schüler (1869 - 1945)

Vollmond
Leise schwimmt der Mond durch mein Blut ...
Schlummernde Töne sind die Augen des Tages
Wandelhin – taumelher –

Ich kann deine Lippen nicht finden ...
Wo bist du, ferne Stadt
Mit den segnenden Düften?

Immer senken sich meine Lider
Über die Welt – alles schläft.


 
Aus dem Film von Claude Lelouch "Hasards ou coïncidences" ("Begegnung in Venedig") (1998)



Höre!
Ich raube in den Nächten
Die Rosen deines Mundes,  
Daß keine Weibin Trinken findet.  

Die dich umarmt,
Stiehlt mir von meinen Schauern,  
Die ich um deine Glieder malte.  

Ich bin dein Wegrand.  
Die dich streift,  
Stürzt ab.  

Fühlst du mein Lebtum  
Überall  
Wie ferner Saum?  
[über das Gedicht]


Deine rauhen Blutstropfen
Süßen auf meiner Haut.

Nenne meine Augen nicht Verräterinnen,
Da sie deine Himmel umschweben;

Ich lehne lächelnd an deiner Nacht
Und lehre deine Sterne spielen.

Und trete singend durch das rostige Tor
Deiner Seligkeit.

Ich liebe dich und nahe weiß
Und verklärt auf Wallfahrtzehen.

Trage dein hochmütiges Herz,
Den reinen Kelch den Engeln entgegen.

Ich liebe dich wie nach dem Tode
Und meine Seele liegt über dich gebreitet –

Meine Seele fing alle Leiden auf,
Dich erschüttern ihre schmerzlichen Bilder.

Aber so viele Rosen blühen,
Die ich dir schenken will;

O, ich möchte dir alle Gärten bringen
In einem Kranz.

Immer denke ich an dich,
Bis die Wolken sinken;

Wir wollen uns küssen –
Nicht?


Justin Peck und  Janie Taylor




Dem Barbaren
Ich liege in den Nächten
Auf deinem Angesicht.

Auf deines Leibes Steppe
Pflanze ich Zedern und Mandelbäume.

Ich wühle in deiner Brust unermüdlich
Nach den goldenen Freuden Pharaos.

Aber deine Lippen sind schwer,
Meine Wunder erlösen sie nicht.

Hebe doch deine Schneehimmel
Von meiner Seele –

Deine diamantnen Träume
Schneiden meine Adern auf.

Ich bin Joseph und trage einen süßen Gürtel
Um meine bunte Haut.

Dich beglückt das erschrockene Rauschen
Meiner Muscheln.

Aber dein Herz läßt keine Meere mehr ein.
O du!


Hier kann ich ruhig träumen

Kurt Tucholsky (1890-1935)
Park Moncea
Hier ist es hübsch. Hier kann ich ruhig träumen.
Hier bin ich Mensch – und nicht nur Zivilist.
Hier darf ich links gehn. Unter grünen Bäumen
sagt keine Tafel, was verboten ist.

Ein dicker Kullerball liegt auf dem Rasen.
Ein Vogel zupft an einem hellen Blatt.
Ein kleiner Junge gräbt sich in der Nasen
und freut sich, wenn er was gefunden hat.

Es prüfen vier Amerikanerinnen,
ob Cook auch recht hat und hier Bäume stehn.
Paris von außen und Paris von innen:
sie sehen nichts und müssen alles sehn.

Die Kinder lärmen auf den bunten Steinen.
Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus.
Ich sitze still und lasse mich bescheinen
und ruh von meinem Vaterlande aus.


[Theobald Tiger
Die Weltbühne, 15.05.1924, Nr. 20, S. 664,
wieder in: Mit 5 PS.]



Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Was willst du von mir?

Möchtest du meine Frau werden,
Da meine Haare schon grau werden,
Schon größtenteils sind?
Möchtest du über mich lachen?
Soll ich dir Freude machen?
Oder ein Kind?

Willst du die Peitsche spüren?
Soll ich dich ausfuhren?
Brauchst du Geld oder einen Rat?
Willst du nur mit mir spielen?
Oder gefielen oder mißfielen
Dir Taten, die ich tat?

Warum bist du so still?
Soll ich dich beklagen?
Sag doch einmal: »Ich will ......«
Oder sonst ein deutliches Wort. –
Soll ich dich verjagen?
Ja. Geh zu!
Nein! – Du!
Bitte, bitte, geh nicht fort! 




Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Brief in die Sommerfrische

Ich habe so Sehnsucht nach Dir.
Weil alles so gut steht
Auf unserem Gemüsebeet.
Und Du bist in England. Nicht hier
Bei mir.
Frau heißt auf Englisch »wife«;
Muß man, um das zu lernen,
Sich so weit und so lange entfernen?

Bei uns ist alles Gemüse reif.
Meinst Du, daß ich das allein
Esse? Kommt gar nicht in Frage.
Und so vergehen die Tage.
Könnte doch zu zweit so billig sein.

Bis August und noch September vergeht,
Ist alles verfault auf dem Beet.
Aber Englisch ist wichtiger als Gemüse,
Das es schließlich auch in Büchsen gibt.
Und ich gönne Dir das alles sehr. Grüße
Dich!
Dein Mann (einsam in Dich verliebt).

Mehr Tucholsky:

Mehr Ringelnatz: hier (nach unten scrollen)

Granatapfelbaum

"Nicht wegen des nahenden Krieges, sondern aus einem anderen, unklaren Grund durchfuhr es mich manchmal im Innersten in jenem Herbst des Jahres 1947, vor lauter wehem Sehnen, vermischt mit tiefer Scham, dem sicheren Wissen bevorstehender Strafe und auch einem vagen Schmerz: Es war eine verbotene Sehnsucht, eine Sehnsucht durchtränkt mit Schuld und Kummer, nach den Labyrinthen jenes Obstgartens. Nach der Zisterne, die mit einer grünen Metallplatte abgedeckt war, nach dem fünfeckigen Zierbecken mit seinen himmelblauen Kacheln und dem Gold seiner Fische, die einen Moment im Sonnenlicht glitzerten und gleich wieder im Dicklicht der Wasserrosen verschwanden. Nach den weichen Kissen mit fein gewellten Spitzen. Nach den üppigen Teppichen mit den eingewebten Paradiesvögeln in paradiesischem Gezweig. Nach den Kleeblättern im Fensterglass, Blatt für Blatt mit eigenem Licht, ein Blatt rot, ein Blatt grün, ein Blatt golden, ein Blatt lila.
Und auch nach dem Papagei, dessen Stimme wie das Krächzen eines alten Rauchers klang: "Mais oui, mais oui, chère Mademoiselle", und nach einer Partnerin mit de Sopranstimme, die ihm glockenhell antwortete: "Tfaddal! S'il vous plait! Enjoy!"
Ich war doch einmal dort gewesen, in jenem Obstgarten, ehe ich schmächlich daraus vertrieben wurde, ich hatte ihn doch einmal mit Fingerspitzen berührt -
"Bass. Bass. Bass min fadlak. Uskut." "Genug. Genug. Genug bitte. Still."
Frühmorgen erwachte ich beim Duft des ersten Morgenlichts und sah durch die Ritzen des geschlossenen Eisenladens den Granatapfelbaum in unserem Hof. Dort, im Versteck jenes Grantapfelbaums, wiederholte jeden Morgen ein unsichtbarer Vogel präzise und mit leuchtender Fröhlichkeit die ersten fünf Töne der Melodie "Für Elise".
So ein redseliger Dummkopf, so ein lauter Dummkopf: Statt auf sie zuzugehen, wie der neue hebräische Mensch auf das edle arabische Volk oder wie ein Löwe, der sich zu Löwen gesellt, hätte ich doch einfach auf sie zugehen können wie ein Junge auf ein Mädchen? Oder nicht?"
Aus: Amos Oz, "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis", Suhrkamp Verlag, 1. Auflage 2006, S. 536-537.

 

Line of Life with Golda Meir (1977)

Endymion

Heinrich Heine  "In der Frühe"

Auf dem Fauxbourg Saint-Marçeau
Lag der Nebel heute Morgen,
Spätherbstnebel, dicht und schwer,
Einer weißen Nacht vergleichbar.

Wandelnd durch die weiße Nacht,
Schaut’ ich mir vorübergleiten
Eine weibliche Gestalt,
Die dem Mondenlicht vergleichbar.

Ja, sie war wie Mondenlicht
Leichthinschwebend, zart und zierlich;
Solchen schlanken Gliederbau
Sah ich hier in Frankreich niemals.

War es Luna selbst vielleicht,
Die sich heut bey einem schönen,
Zärtlichen Endymion
Des Quartièr Latin verspätet?

Auf dem Heimweg dacht ich nach:
Warum floh’ sie meinen Anblick?
Hielt die Göttin mich vielleicht
Für den Sonnenlenker Phöbus?

[Aus "Neue Gedichte", 1. Auflage 1844, S. 180-181, Quelle]

Jérôme-Martin Langlois "Diana and Endymion" (etwa 1822),  
aus: Web Gallery of Art, via Wikimedia Commons

30. Dezember 2015

Godiva

John Collier "Lady Godiva" (ca. 1898), via Wikimedia Commons
"Godiva ist Gegenstand einer Legende, die seit dem 13. Jahrhundert belegt ist: Das Volk litt unter der Steuerlast, für die ihr Ehemann verantwortlich war. Lady Godiva ertrug es nicht, die Menschen leiden zu sehen. Sie bemühte sich, ihren Mann dazu zu überreden, die Steuerlast zu senken. Er erwiderte, er würde die Steuern erst senken, wenn sie nackt durch die Stadt reitet. Denn Leofric rechnete nicht damit, dass seine Frau tatsächlich den Mut aufbringen würde, ohne Bekleidung durch die Stadt zu reiten, damit es dem Volk besser geht. Leofric, vom Mut seiner Frau beeindruckt, habe daraufhin alle Steuern erlassen, außer jene auf Pferde." wikipedia

Alfred Tennyson "Godiva"
I waited for the train at Coventry;
I hung with grooms and porters on the bridge,
To watch the three tall spires; and there I shaped
The city's ancient legend into this:
Not only we, the latest seed of Time,
New men, that in the flying of a wheel
Cry down the past, not only we, that prate
Of rights and wrongs, have loved the people well,
And loathed to see them overtax'd; but she
Did more, and underwent, and overcame,
The woman of a thousand summers back,
Godiva, wife to that grim Earl, who ruled
In Coventry: for when he laid a tax
Upon his town, and all the mothers brought
Their children, clamoring, "If we pay, we starve!"
She sought her lord, and found him, where he strode
About the hall, among his dogs, alone,
His beard a foot before him and his hair
A yard behind. She told him of their tears,
And pray'd him, "If they pay this tax, they starve."
Whereat he stared, replying, half-amazed,
"You would not let your little finger ache
For such as these?" -- "But I would die," said she.
He laugh'd, and swore by Peter and by Paul;
Then fillip'd at the diamond in her ear;
"Oh ay, ay, ay, you talk!" -- "Alas!" she said,
"But prove me what I would not do."
And from a heart as rough as Esau's hand,
He answer'd, "Ride you naked thro' the town,
And I repeal it;" and nodding, as in scorn,
He parted, with great strides among his dogs.
So left alone, the passions of her mind,
As winds from all the compass shift and blow,
Made war upon each other for an hour,
Till pity won. She sent a herald forth,
And bade him cry, with sound of trumpet, all
The hard condition; but that she would loose
The people: therefore, as they loved her well,
From then till noon no foot should pace the street,
No eye look down, she passing; but that all
Should keep within, door shut, and window barr'd.
Then fled she to her inmost bower, and there
Unclasp'd the wedded eagles of her belt,
The grim Earl's gift; but ever at a breath
She linger'd, looking like a summer moon
Half-dipt in cloud: anon she shook her head,
And shower'd the rippled ringlets to her knee;
Unclad herself in haste; adown the stair
Stole on; and, like a creeping sunbeam, slid
From pillar unto pillar, until she reach'd
The Gateway, there she found her palfrey trapt
In purple blazon'd with armorial gold.

Then she rode forth, clothed on with chastity:
The deep air listen'd round her as she rode,
And all the low wind hardly breathed for fear.
The little wide-mouth'd heads upon the spout
Had cunning eyes to see: the barking cur
Made her cheek flame; her palfrey's foot-fall shot
Light horrors thro' her pulses; the blind walls
Were full of chinks and holes; and overhead
Fantastic gables, crowding, stared: but she
Not less thro' all bore up, till, last, she saw
The white-flower'd elder-thicket from the field,
Gleam thro' the Gothic archway in the wall.

Then she rode back, clothed on with chastity;
And one low churl, compact of thankless earth,
The fatal byword of all years to come,
Boring a little auger-hole in fear,
Peep'd -- but his eyes, before they had their will,
Were shrivel'd into darkness in his head,
And dropt before him. So the Powers, who wait
On noble deeds, cancell'd a sense misused;
And she, that knew not, pass'd: and all at once,
With twelve great shocks of sound, the shameless noon
Was clash'd and hammer'd from a hundred towers,
One after one: but even then she gain'd
Her bower; whence reissuing, robed and crown'd,
To meet her lord, she took the tax away
And built herself an everlasting name.
[Quelle]

30. August 2015

Hermann Hesse

Jemand fragte mich nach der russischen Übersetzung dieses Gedichts. Noch ist es nicht soweit, das Gedicht soll noch wirken. Ich weiß auch nicht, ob es mir gelingen wird. Aber das Original von Hermann Hesse ist unbeschreiblich schön und zeigt das Wesen der wichtigsten Gefühle im Leben - der Liebe nämlich.

Hermann Hesse

Voll Blüten

Voll Blüten steht der Pfirsichbaum
nicht jede wird zur Frucht,
sie schimmern hell wie Rosenschaum
durch Blau und Wolkenflucht.

Wie Blüten gehn Gedanken auf,
hundert an jedem Tag –
Lass blühen! Lass dem Ding den Lauf!
Frag nicht nach dem Ertrag!

Es muss auch Spiel und Tanze sein
und Blütenüberfluss,
sonst wäre die Welt uns viel zu klein
und Leben kein Genuss. 


[Quelle]

Super Sad True Love Story

Der Autor Gary Shteyngart liest seine "Super Sad True Love Story" vor und beantwortet Fragen:










Der kleine Einwanderer Shteyngart

Ein sehr witziges Interview gab es mit Gary Shteyngart in der NZZ zu seinem neuen Buch "Kleiner Versager" (engl. "Little Failure"), das ich unbedingt lesen möchte.
"(...)
Der amerikanische Traum, den Ihre Eltern für Sie träumten, war der einer Karriere als Jurist. Dabei war Kultur in Ihrem Zuhause wichtig. Ihre Mutter unterrichtete Klavier, Ihr Vater wollte einmal Opernsänger werden. Warum fiel es Ihren Eltern so schwer, zu akzeptieren, dass ihr Sohn Schriftsteller sein wollte?

Schriftsteller wurde nicht als Beruf angesehen. Man kann Schriftsteller werden wie Tschechow, der aber war zunächst einmal Arzt. Meine Eltern stellten sich immer vor, dass Schreiben mein Hobby sein würde – nachdem das Geld anderweitig verdient worden sei. Doch sie machten gerne Witze, auch politische. Ohne sie wäre es nicht leicht gewesen, satirische Literatur zu schreiben.

Sie erzählen im Buch, wie Ihre Grossmutter Galja Sie zu Ihren ersten Schritten als Autor ermutigte. Sie sagte: «Warum schreibst du nicht selbst einen Roman?»

Ja, sie meinte: «Du kannst das!» Ich war fünf Jahre alt. Und ich liebte Lenin. Es gab in der Nähe unseres Hauses diese riesige Lenin-Statue, wahrscheinlich die grösste in Leningrad. Wir nannten ihn den «Latino-Lenin», weil er so aussah, als ob er gleich anfangen würde zu tanzen. Also schrieb ich ein Buch mit dem Titel «Lenin und seine magische Gans». Meine Grossmutter war schlau. Sie wusste, dass Schriftsteller ermutigt werden müssen. Also bezahlte sie mich mit sowjetischem Käse. Für jede Seite ein kleines Stück. Und ich verfasste einen sehr politischen Roman: Lenin und die Gans fallen zusammen in Finnland ein, starten eine sozialistische Revolution – und später isst Lenin die Gans. (...)" weiter lesen

Wunderbar ist der Buch-Trailer mit dem Autor:

27. Dezember 2014

Sie weinte und lachte und sprach...

Vor einem Jahr durfte ich zusammen mit zwei wundervollen Männern: dem Dichter Michael Starcke und dem Gitarristen Peter-Rainer Überbacher einen literarischen Salon zu Hause bei der Familie Jacobs eröffnen. Es war ein sehr schönes Ereignis, über welches ich damals hier berichtete. Der Salonabend wurde gefilmt und endlich erreichte mich das Ergebnis.

-- Verzeiht bitte nur die ein wenig schlechte Qualität, wenn es ausgerechnet um die kurzen Aufnahmen von uns geht, da die Lampe mich manchmal verunstaltet... Wir wurden ganz kurz gezeigt, aber nach einer sehr schönen Frage im Film. Mehr davon und vor allem auch endlich die Gedichte selbst gelesen folgt unter diesem Film in den kleinen Videoausschnitten. Ich war verwundert, wie man selbst es nur schafft, innerhalb eines Abends Emotionen eines ganzen Lebens einer Frau darzubieten und zwar abwechselnd zwischen Schmerz, Träumen, Hoffnung und Traurigkeit... Danach hat man zwar keine Kraft mehr, aber das Innere - die Hingabe - ist hier verewigt. Danke an Renate für ihre Idee und ihr warmes Haus und Herz und danke an den wunderbaren Dichterfreund Michael Starcke und die zarte Musik von Peter-Rainer, die mich heute unweigerlich daran erinnerte, als ob wieder in der Sowjetunion am Silvester gewesen zu sein, im Film und der Musik von "Ironie des Schicksals" oder  "Ironija sudby ili s legkim parom".  

Genießt es... 




Die Salon-Auschnitte mit vielen Gedichten, die ich darin vorlese...





Wunderschöne Musik






... und Paar Gefühle in einem ganz normalen Bild-Format (zum Vergrößern anklicken)













Großen Dank an Hannah fürs Filmen!


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