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29. Juli 2016

Sweetness


... Trudle durch die Welt. Sie ist so schön, gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben. ...
Kurt Tucholsky

3. Juli 2016

Poison

Dior ist mein Liebling...

"Poison girl"

"Making of" ist noch anregender...

Ich stand an einem fremden Bahnhof, in einer fremden Stadt, allein und sehnsüchtig. Die Zeitschrift "Liberal" erschien mir nicht tiefgründig genug, also kaufte ich mir noch die Sonderausgabe "Hannah Arendt" des Philosophie-Magazins. Sehr schönes Heft und ja, sie hat Recht:
"Zwischen zwei Menschen, wenn sie in der Bindung nicht der Illusion verfallen, Eines zu werden, kann schon wieder eine Welt entstehen."
Hannah Arendt

Mehr:

14. November 2010

Hannah Arendt über die Liebe - Teil 2


“One has to ask all the old questions”. Hannah Arendt über Liebe und Freundschaft:

“Solange man glaubt, dass der Mensch eine Potentialität ist, und dann noch, dass alle Menschen essentiell die gleichen Möglichkeiten haben – und darauf beruhen alle unsere moralischen Urteile -, kann man noch nicht einmal ahnen, was Liebe ist. In der Liebe tritt einem gerade nicht eine ‘potentia’ entgegen, sondern eine Wirklichkeit, mit der wir uns nur noch ohne Furcht und Hoffnung abzufinden haben.” Juli 1950; S. 14.

Pluralität. Ganz voneinander zu scheiden ist 1. die Tatsache der Pluralität der Menschen und Völker und ihre grundsätzliche Ungleichheit – ohne diese reine Vielheit gäbe es keine Politik, ohne diese grundsätzliche Ungleichheit bedürfte es keiner Gesetze; und 2. die Tatsache, dass ‘Liebe die Liebe braucht’, d.h. dass kein Mensch allein existieren kann, ausgedrückt in der Zweigeschlechtlichkeit. Hier sucht (oder bedarf) der Eine des Zweiten (und es entspringt der Dritte); im Falle der Vielheit, umgekehrt, hat der Eine immer schon zu rechnen mit und ist angewiesen auf – nicht einen Zweiten - , sondern Andere. Im Falle der Liebe sucht er das ihm Gemässe, im Falle der Vielheit hat er zu rechnen mit den ‘Ungemässen’, Fremden, Verschiedenen. Die fundamentale Differenz zwischen dem Brauchen, das aus der Zweigeschlechtlichkeit entspringt oder wenigstens in ihr vorgezeichnet ist, und dem Aufeinanderangewiesensein, das in der Vielheit liegt.
Wo immer (und das heisst überall in der abendländischen Tradition) man die Familie als die Urform der menschlichen politischen Gemeinschaft setzt, hat man diese beiden Sachen identifiziert. Und daraus entspringt dann der ganze Höllenspektakel – d.h. die gleichzeitige Perversion der politischen Verhältnisse und der ‘Liebes’ – und Familienverhältnisse.” Oktober 1950; S. 38

“Liebe und Ehe
Liebe ist ein Ereignis, aus dem eine Geschichte werden kann oder ein Geschick.
Die Ehe als Institution der Gesellschaft zerreibt dies Ereignis, wie alle Institutionen die Ereignisse aufzehren, auf denen sie gegründet waren. Institutionen, die sich Ereignisse gründen, halten der Zeit so lange stand, als die Ereignisse nicht völlig aufgezehrt sind. Vor solchem Verzehrt-werden sind nur Institutionen sicher, die auf Gesetzen basieren. Solange die Ehe, immer zweideutig in dieser Hinsicht, als unscheidbar galt, war sie doch wesentlich auf dem Gesetz, nicht auf dem Ereignis der Liebe gegründet und damit eine echte Institution.
Inzwischen ist die Ehe zur Institution der Liebe geworden, und als solche ist sie noch um ein weniges hinfälliger als die meisten Institutionen der Zeit. Die Liebe wiederum ist seit ihrer Institutionalisierung ganz und gar heimat- und schutzlos geworden.
Dagegen protestieren Männer wie Frauen, jeder auf seine Weise. Beide versuchen, die zunehmende Flüchtigkeit der Liebe, ihre zunehmende Substanzlosigkeit zu verhindern. Die Frauen, indem sie aus der Liebe, die ein Ereignis ist, ein Gefühl machen, was nicht nur die Liebe degradiert, weil ein Göttliches zu einem Menschlichen gemacht wird, sondern auch alle Gefühle degradiert, weil sie offenbar dem Feuer der Liebe, an dem sie gemessen werden, nicht standhalten. Der Irrtum kommt daher, dass die Liebe sich im Herzen der Menschen einnisten; das menschliche Herz ist die Wohnung, aber nicht die Heimat! der Liebe; das Missverständnis ist zu glauben, die Liebe entspringe dem Herzen und sei daher, mit einem weiteren Missverständnis, vom Herzen wie ein Gefühl hervorgebracht. [...] Zur Abgrenzung: Gefühle habe ich; die Liebe hat mich. Freundschaft ist wesensmässig abhängig von ihrer Dauer – eine zwei Wochen alte Freundschaft existiert nicht; die Liebe ist immer ein ‘coup de foudre’.” Dezember 1950; S. 49-51.

“(Dass die Liebe von der Verlassenheit erlöst, ist ein Vorurteil. Der wirklich Verlassene kann nicht lieben, so wenig wie der, der völlig in der gemeinsamen Welt sich aufgegeben hat. Dieser Zusammenhang von Verlassenheit und Verlorensein in der gemeinsamen Welt ist das eigentlich amerikanische Phänomen. Daher die Unfähigkeit der Amerikaner zu lieben.)” Juni 1951; S. 214.

“Ad Pluralität: Die Pluralität, die sich am reinsten in der ins Unendliche sich fortsetzenden und aus sich selbst sich erzeugenden Zahlenreihe darstellt, ist ursprünglich nicht in der Vielheit der Dinge, sondern in der Bedürftigkeit des Menschen, der als Einer geboren den Zweiten braucht, um sich des Fortgangs in den Dritten, Vierten und so fort zu sichern. […] Was aber hier, im Ursprung der Zeugung, gezählt wird, beziehungsweise sich zählt, ist niemals das völlig Disparate, dem die Zahl zu einer abstrakten Einheit verhülfe […], sondern das wesensmässig ‘Selbe’ (wie Heidegger sagt, im Gegensatz zu dem bloss Gleichen), das sich in biblischer Sprache als ‘im Ebenbild’, […] ausspricht. Diese Ebenbildlichkeit auf die Schöpfung des Menschen durch Gott zu beziehen, ist der tiefste und darum verderblichste Anthropomorphismus in dem abendländischen Gottesgedanken. In unserem Ebenbilde erzeugen wir unsere Kinder - nicht das uns ‘Gleiche’, aber das Selbe, was wir sind. Gott aber ist gerade das absolut Nicht-‘Selbe’. Durch diesen Anthropomorphismus kam der verderbliche Unsinn von dem Menschen in die Metaphysik.” Juli 1952; S. 218f.

“Experimental Notebook of a Political Scientist: To establish a science of politics one needs first to consider all philosophical statements on Man under the assumption that men, and not Man, inhabit the earth. The establishment of political science demands a philosophy for which men exist only in the plural. Its field is human plurality. Its religious source is the second creationmyth – not Adam and rib, but: Male and female created He them. In this realm of plurality which is the political realm, one has to ask all the old questions – what is love, what is friendship, what is solitude, what is acting, thinking, etc., but not the one question of philosophy: Who is Man, nor the Was kann ich wissen, was darf ich hoffen, was soll ich tun?” Januar 1953; S. 295.

“Der Akkusativ der Gewalt wie der Liebe zerstört das Zwischen, vernichtet oder verbrennt es, macht den Andern schutzlos, beraubt sich selbst des Schutzes. Dagegen steht der Dativ des Sagens und Sprechens, der das Zwischen bestätigt, im Zwischen sich bewegt. Dann gibt es noch den Akkusativ des singenden Gedichts, das das Besungene, ohne irgend etwas zu bestätigen, aus dem Zwischen und seinen Relationen löst und erlöst. Wenn die Dichtung, und nicht die Philosophie, verabsolutiert, ist Rettung da.” August 1953; S. 428.

“Wir verstehen einander gewöhnlich nur in einem Zwischen, durch die Welt und um der Welt willen. Wenn wir einander direkt, unvermittelt, ohne Bezug auf ein zwischen uns liegendes Gemeinsames verstehen, lieben wir.” August 1953; S. 428."
Bild: Quelle

26. Oktober 2010

10 Ways to Enjoy Doing Nothing

Schöne Art zu leben findet man in der folgenden Auflistung namens:

10 Ways to Enjoy Doing Nothing (by Tom Hodgkinson)
"One morning, nearly 20 years ago, I was lying in bed. It was late. I was supposed to be working, but I seemed glued to the mattress. I hated myself for my laziness. And then, by chance, I picked up a collection of writings by Dr. Samuel Johnson, the 18th-century wit and the compiler of the first comprehensive English dictionary. In the book were excerpts from a weekly column he had written called The Idler, in which the great man celebrated idleness as an aspiration, writing in 1758, “Every man is, or hopes to be, an Idler.” (...)" weiter lesen

17. Oktober 2010

Hannah Arendt über die Liebe - Teil 1

Hannah Arendt über die Liebe. (Das letzte Zitat ist gut...)


"Aus ihrem Denktagebuch Verstehen in der Politik heißt nie, den Anderen verstehen (nur die welt-lose Liebe "versteht" den Anderen), sondern die gemeinsame Welt so, wie sie dem Anderen erscheint.

In der Liebe, nur in ihr, gibt es wirkliche Gegenseitigkeit, die auf dem Einander-Bedürfen beruht. Ein Mensch sein heißt, zugleich, eines (andern) Menschen bedürfen.

Alles Reden mit Anderen ist immer schon Reden über etwas beiden Gemeinsames, also nicht Reden aus und in der Sache selbst. (...) Ohne die Form des ‚über' gibt es kein Gespräch. Im ‚über' drückt sich aus, dass wir zusammen die Erde bewohnen. Nur die Rede der Liebenden ist frei von diesem ‚über'; in ihr spricht man mit dem Du wie mit sich selbst, weil dies Du das Du nur eines Ichs ist. (...) Die Rede der Liebenden erlöst von beidem zugleich, von dem ‚über', in dem man die Welt mit Vielen (Fremden) gemeinsam hat, und von der Zwiespältigkeit der Einsamkeit.

Die Rede der Liebenden ist daher von sich aus ‚poetisch'. (...) Es ist, als ob in ihr erst Menschen dazu werden, als was sie sich als Dichtende geben: Sie reden nicht, und sie sprechen nicht, sondern sie ertönen.

Die Liebe verbrennt, durchschlägt wie der Blitz das Zwischen, das heißt den Welt-Raum, zwischen den Menschen. Dies ist nur möglich mit zwei Menschen. Tritt der Dritte hinzu, so stellt sich Raum sofort wieder her.

Arbeiten - Denken - Lieben sind die drei Modi des schieren Lebens, aus denen nie eine Welt erstehen kann und die daher eigentlich welt-feindlich, anti-politisch sind.

Das Herz ist ein komisches Organ; erst wenn es gebrochen ist, schlägt es seinen eigenen Ton; wenn es nicht bricht, versteinert es. Der Stein, der einem vom Herzen fällt, ist fast immer der, in welchen sich das Herz fast verwandelt hätte."

[Leseauswahl: Sebastian Hefti und Wolfgang Heuer, Hannah Arendt Denkraum, Berlin 15. Oktober 2006]


Bild: Quelle

23. Juni 2010

Die Selbstbefriedigung in der Kunst

Bereits vor einiger Zeit lief auf arte diese wunderbare Folge zur Geschichte der Masturbation. Hier sind zwei sehr sehenswerte Ausschnitte:

Die Selbstbefriedigung in der Kunst (mit Auguste Rodin, Salvador Dali, Pablo Picasso, Gustav Klimt, Egon Schiele und vielen anderen...)



Was nannte man "Tierchen"?



Das weitere Video zur Philosophie der Masturbation, unter anderem auch über die intellektuelle Selbstbefriedigung, sieht man hier.

28. September 2009

Jüdischer Witz

"Ein Jude begeht Selbstmord und wird daraufhin von Gott zur Rede gestellt:

"Warum hast du das getan? Weißt du nicht, dass ein Jude sich nicht töten darf?"

"Ja", sagt der Jude, "aber mein Sohn hat sich taufen lassen." Darauf der liebe Gott: "Na und, meiner hat sich auch taufen lassen." "Und was hast du darauf gemacht?", will der Jude wissen. "Ein neues Testament."

(...)

Nach dem Krieg bekam das deutschen Publikum meistens in Talkshows, wenn etwa der Soziologe Alphons Silbermann zu Gast war, moderne jüdische Witze zu hören, wie etwa den: "Ein Jude möchte seinen neuen Ferrari segnen lassen. Er geht zum orthodoxen Rabbiner und trägt sein Anliegen vor. Der sagt, 'ja gerne, aber was ist ein Ferrari?' Ähnlich ergeht es ihm bei dem konservativen Rabbiner, dann geht er zu einem liberalen Rabbiner, der fragt: 'Was ist ein Segen?'"

(...)

Doch zu Beginn der jüdischen Geschichte verhinderte zunächst noch eine starke religiöse Bindung, dass die eigene religiöse Tradition zum Gegenstand von Witzen wurde. Schließlich war die Mehrheit der Juden damals noch fest davon überzeugt, dass alles gottgewollt sei, selbst das Leiden. Der jüdische Witz konnte sich erst voll entfalten, als sich mit der Neuzeit den Juden in Mitteleuropa die Chance zur Emanzipation und Assimilation bot, als die mittelalterliche Gläubigkeit und Gottergebenheit ihre Kraft verlor und damit das Leiden seinen metaphysisch religiösen Sinn. Wer allerdings den Ausstieg aus dem Judentum nur positiv beurteilte, hatte keinen Anlass, diesen Schritt witzig zu beleuchten. Seine volle Tiefe und Schärfe erreicht der Täuflingswitz nur dort, wo der Abtrünnige sich der Fragwürdigkeit seines Schrittes bewusst wurde, wie etwa Heinrich Heine, der die eigene Situation im beißenden Witz vortrefflich parodiert hat. Heine war ein Zyniker ersten Ranges wie das Gedicht "Zum Lazarus" beweist:

Lass die heiligen Parabolen,

lass die frommen Hypothesen -

Suche die verdammten Fragen

Ohne Umschweife uns zu lösen,

Warum schleppt sich blutend, elend,

Unter Kreuzlast der Gerechte,

Während glücklich als ein Sieger

Trabt auf hohem Ross der Schlechte?

Woran liegt die Schuld? Ist etwa

Unser Herr nicht ganz allmächtig?

Oder treibt er selbst den Unfug?

Ach, das wäre niederträchtig.

Also fragen wir beständig,

Bis man uns mit einer Handvoll

Erde endlich stopft die Mäuler -

Aber ist das eine Antwort?

Als Heine im Sterben lag, kniete seine Geliebte an seinem Bett und betete zu Gott, dass er ihm alle seine Sünden verzeihe. Da sagte Heine mit schwacher Stimme: "Meine Liebe, sorge dich nicht - er wird mir schon verzeihen, denn Sünden vergeben gehört zu seinem Beruf."(...)"

Weiter lesen in "Witz als Waffe".

6. August 2009

Non-Anständig °3

Auf der Suche nach einem Synonym für das ganz einfache Wort "Blume" war sogar ich von der Vielfalt der deutschen Sprache überrascht:

Blume
"Vagina, Scheide, Muschi, Vulva, Pussy, Schnecke, Votze, Liebesgrotte, Möse, Vötzchen, Muschel, Spalte, Fotze, Mumu, Fut, Loch, Dose, Lustgrotte, Ritze"
Offensichtlich sprechen die Deutschen tatsächlich durch die Blume...
Diesmal werden keine erotischen Gedichte in der "Non-Anständig"-Reihe gezeigt, sondern Musik:
Lovage "Sex (I'm a)" (Aus dem Album "Music to Make Love to Your Old Lady By")


Erfrischend: Make The Girl Dance "Baby Baby Baby" 



"Die Idee zu dem Video hatte der Manager:"Stellt eine splitternackte Frau auf die Rue de Rivoli", sagte er den beiden. Gesagt, getan und die Band fing an bei Facebook nach Kandidatinnen zu suchen. "Normale Frauen, keine Pornostars", wünschten sich die beiden und wurden fündig.(...)" weiter lesen

1. August 2009

Flirten vom Feinsten

Sehr lustige und schöne Werbung aus dem israelischen Fernsehen von "Steimatzky Books" (mit engl. Untertiteln)

4. Juli 2009

Dresscode

So erkannte ich wieder die Spezies von Juristen, mit denen ich die wenigsten Gemeinsamkeiten während des Studiums finden konnte.
Dresscode. Warum sehen Juristen eigentlich alle gleich aus?

"Mancher sagt, Juristen seien noch besser gekleidet als BWLer. Woran mag das liegen? Vielleicht an dem von unbekannter Hand verfassten Aushang über die „Richtlinie zur angepassten Kleidungswahl am Juridicum" am Schwarzen Brett der juristischen Fakultät der Universität Bonn. Wir geben es hier vollumfänglich wieder." Den Artikel lesen

16. April 2009

Zuviel Sex

Interessantes von Richard David Precht:

Zuviel Sex und Rock'n Roll

"Der Bestsellerphilosoph Richard David Precht ein Buch über die Liebe geschrieben. Ein Gespräch über Romantik, Erotik und die Ansprüche an die Liebe

(...)

ZEIT ONLINE: Was erwarten Menschen Ihrer Ansicht nach heute von einer Liebesbeziehung?

Precht: Wir versuchen, mit dem Konzept der romantischen Liebe alles unter einen Hut zu bringen: Prickelnde Leidenschaft auf der einen und vertrauliche Geborgenheit auf der anderen Seite. Und das am besten auf Dauer. Das ist eine Quadratur des Kreises, eine Fiktion, die nur in den seltensten Fällen real wird.

ZEIT ONLINE: ...ein Dilemma, über das man aufklären sollte?

Precht: Ich will den Menschen nicht die romantische Liebe austreiben. Es ist ja unglaublich schön, sich dem hinzugeben. Wir leben, was die Liebe betrifft, in einer optimalen Zeit mit optimalen Möglichkeiten. Aber parallel dazu sind die Ansprüche an sich selbst und den geliebten Partner enorm gestiegen.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Precht: Um Leidenschaft aufrecht zu halten, muss man etwas tun: für Kicks und Aufregung sorgen. Außerdem braucht man Geld. Aber das stärkste Selektionskriterium überhaupt ist heute das Aussehen – die Frage: "Bin ich schön?". Das hat das Kriterium der Gesundheit abgelöst. Man muss sich heute möglichst attraktiv halten. Auch sind die Ansprüche an Erotik maßlos hoch: Wir sind absolut "oversexed".

ZEIT ONLINE: Was heißt das?

Precht: Die Zeit der Provokationen ist vorbei. Was Uschi Obermaier einst postulierte, nämlich eine Gesellschaft mit Sex und Rock’n‘Roll, haben wir heute im Übermaß. Die Folge ist Verwirrungsunlust.

(...)

ZEIT ONLINE: Bleibt die Sehnsucht nach ewiger Liebe trotzdem?

Precht: Die Sehnsucht besteht. Auch schon bei jungen Menschen, die heute viel mehr über Liebe und Liebesbeziehungen wissen als früher. Auch das Bedürfnis nach Treue ist da: Je seltener sie wird, als desto kostbarer wird sie betrachtet.(...)" weiter lesen


Zum Schluß noch ein ungewöhnliches Fotoprojekt: "Die Eltern meiner Exfreunde"

"Die Fotografin Tine Casper hat ihre ehemals potentiellen Schwiegereltern besucht und sich mit ihnen fotografiert

"Heute, wo kaum mehr jemand seine Jugendliebe heiratet, hat man eher Lebensabschnitts-Schwiegereltern", sagt Tine Casper. Sie begab sich auf Spurensuche und hat die Eltern ihrer Ex-Freunde besucht. "Für mich standen dabei allerdings weniger die Exfreunde im Vordergrund als das Phänomen, dass mit der Trennung von einem Partner auch andere Beziehungen beendet werden – insbesondere die Beziehung zu den Schwiegereltern."" Fotos ansehen

Was bedeutet...

... Melancholie?

"In seinem Aufsatz Trauer und Melancholie von 1917 grenzt Sigmund Freud die Melancholie von der Trauer ab: Sie sei dadurch gekennzeichnet, dass die Herabsetzung des Selbstgefühls nicht durch die positive Trauerarbeit behoben wird. Die Melancholie ist seelisch ausgezeichnet durch eine tief schmerzliche Verstimmung, eine Aufhebung des Interesses für die Außenwelt, durch den Verlust der Liebesfähigkeit, durch die Hemmung jeder Leistung und die Herabsetzung des Selbstgefühls, die sich in Selbstvorwürfen und Selbstbeschimpfungen äußert und bis zur wahnhaften Erwartung der Strafe steigert. Diese selbstzerstörerischen Aspekte sieht Freud als Ursache für die Suizidgefährdung der Melancholiker.

In der modernen Psychologie ist der Begriff der Melancholie fast völlig durch den Begriff Depression ersetzt worden." wikipedia


Bedrich Smetana "String Quartet No.1 in e moll"
(Video-Teil 1)

[Fortsetzung: Video 2, 3, 4]

John Keats (1795-1821)

Ode auf die Melancholie

I

Nein, nein, geh nicht zur Lethe, preß dir nicht
Vom Eisenhut, zähwurzlig, Gift ins Glas -
Wenn Nachtschatten dein bläßliches Gesicht
Auch küßt, die Purpurfrucht Proserpinas;
Flicht keine Eibenbeern zum Rosenkranz,
Auch Totenuhr und Totenkopf laß sein
Als Klagepsyche, und als Freund im Leid
Trau der zerzausten Eule niemals ganz:
Der Schattenzug stellt sich zu schleppend ein
Und schluckt der Seele wache Ängstlichkeit.

II

Doch wenn Melancholie vom Himmel fährt
Wie eine Wolke plötzlich tränen will,
Die alle schlaffen Blütenkelche nährt
Und Hügel hüllt ins Grabtuch des April -
Dann schöpf von Morgenrosen neuen Mut,
Von Regenbogen, Dünen, Salz und Sand
Und reichem, kugligem Päonienflor;
Und zeigt die Herrin köstlich ihre Wut,
Laß sie nur rasen, fang die zarte Hand
Und dring tief, tief in diese Augen vor.

III

Sie lebt mit Schönheit - Schönheit, die bald stirbt;
Mit Freude, deren Kußhand ewig winkt
Und sagt Adieu - und Wonnen nah verdirbt,
Schon Gift wird, da der Bienenmund noch trinkt.
Ja, selbst im Tempel höchsten Glücks versteckt
Melancholie noch ihren Hochaltar,
Nimmt, wessen Zunge des Glücks Traube sprengt
Am feinen Gaumen, ihn auch einzig wahr;
Sein Geist wird, ihre Trauermacht geschmeckt,
Zu ihren düsteren Trophäen gehängt.

24. März 2009

Die Welt riecht süß nach Gestern

Er ist wieder da. Auch wenn es hagelt und der Wind pfeifend die letzten Passanten aus den Bars nach Hause eilen lässt. In seiner Umarmung werde ich einschlafen, seine Küsse werden zu meinen. Frühling ist da, bald ist wieder Aprilzeit... Vermisse Dich, mein bien-aimé... (Die Bilder wurden in den letzten Tagen gemacht.)

Eduard Mörike "Frühling läßt sein blaues Band"Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!





Else Lasker-Schüler "Nur dich"


Der Himmel trägt im Wolkengürtel
Den gebogenen Mond.

Unter dem Sichelbild
Will ich in deiner Hand ruhn.

Immer muß ich wie der Sturm will,
Bin ein Meer ohne Strand.

Aber seit du meine Muscheln suchst,
Leuchtet mein Herz.

Das liegt auf meinem Grund
Verzaubert.

Vielleicht ist mein Herz die Welt,
Pocht

Und sucht nur noch dich
Wie soll ich dich rufen?




Die Welt riecht süß
nach Gestern.
Düfte sind dauerhaft.

Du öffnest das Fenster.
Alle Frühlinge
kommen herein mit diesem.

Frühling der mehr ist
als grüne Blätter.
Ein Kuß birgt alle Küsse.

Immer dieser glänzend glatte
Himmel über der Stadt,
in den die Straßen fließen.

Du weißt, der Winter
und der Schmerz
sind nichts, was umbringt.

Die Luft riecht heute süß
nach Gestern –
das süß nach Heute roch.





Bilder sind copyright von S. und Ann.

12. Februar 2009

Zum Thema

Z
wei Liebende, die in allem übereinstimmen, sind schon tot. Sie sterben vor Langeweile. 
Simone de Beauvoir

Ich sah sie an, und sie gab mir den Blick zurück : wir faßten uns mit den Augen bei den Händen. Kurt Tucholsky

Der Mensch, das sonderbare Wesen mit den Füßen im Schlamm, mit dem Kopf in den Sternen. Else Lasker-Schüler

Die Ehe ist eine lebenslange Doppelhaft ohne Bewährung.
Jean-Paul Sartre 

Eine Frau ist nur eine Frau, aber eine Zigarre kann man rauchen. 
Rudyard Kipling
Mehr findet man unter: Zitate zum Thema Liebe

3. Oktober 2008

Blau in der Ferne

Mein geliebtes Blau der Ostsee aus der Nähe und in der Ferne. Erträumter Himmel... Erträumte kalte Nähe...


[Bilder von Ann]

20. September 2008

Erdbeeren


"Drei Entzückungen"

"Eine verliebte Ballade für ein Mädchen namens Yssabeau" 

(François Villon; Nachdichtung von Paul Zech)

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weissen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein schöner Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Da will ich sein im tiefen Tal.
Dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl.

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,

da schlief ich manches Sommerjahr
bei dir und schlief doch nie zuviel.
Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut,
das macht mir wieder frohen Mut.
Komm her, ich weiss ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und dir hats auch kein Glück gebracht;
hast nur den roten Mund noch aufgespart,
für mich so tief im Haar verwahrt...
Ich such ihn schon die lange Nacht
im Wintertal, im Aschengrund...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Im Wintertal, im schwarzen Erdbeerkraut,
da hat der Schnee sein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei.
Und habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei dir schlief.
Wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

(Klaus Kinski rezitierte diese Ballade unter dem Titel "Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund" und benannte wortgleich auch seine Biographie aus dem Jahre 1975)
Welt: Aberglaube und echtes Wissen um die Erdbeere

[Bild von Ann]

30. Juli 2008

Bezueglich Atheismus

"Atheism is the vice of a few intelligent people." [Voltaire]
“To YOU I'm an atheist; to God, I'm the Loyal Opposition.” [W. Allen]

Mehr Weisheiten, betreffend Atheismus, gibt es hier.

Auch einige Artikel zum Thema:
welt.de: Gott ist unwahrscheinlich – zu 98 Prozent
FAZ: Warum der neue Atheismus unsere Kultur verflacht

Frühere Blog-Beiträge berührten das komplizierte Verhältnis zur Religion:
- «Der Gott, an den ich nicht glaube, ist ein jüdischer», erklärte David Ben Gurion.
- Einstein privat