Ein Lauf ums Leben, ein kleiner Tod, der wahre Jazz, der heute meine Schmerzensgrenze überschritten hatte.
Abschlussszene aus "Whiplash"
"Und der ist extrem glaubwürdig im Porträt einer Frau, die beinahe zugrunde geht am Versuch, sich zwischen den widersprüchlichen Signalen des von ihr geliebten Mannes nicht selbst zu verlieren. Sich nicht aufzulösen, weil sie ins Magnetfeld eines Narzissten geraten ist. Aus seiner Sicht ist sie zuletzt wohl nur eine Art Kollateralschaden.
Ihr wird der magere Trost bleiben, dass der Anfang wirklich, wirklich wunderschön gewesen ist. Eben zu schön, um wahr zu sein. Grandioser, gnadenloser, absolut sehenswerter Film." Johanna Adorjan über den Film in FAZ
"Nach sieben Jahrzehnten Sowjetunion sind die Russen in vielen ihrer Essgewohnheiten wieder zu den Traditionen der vorrevolutionären Zeit zurückgekehrt. Die Esskultur, die private wie die der Restaurants, hat wieder einen hohen Stellenwert, Kochbücher und Ratgeber in Fernsehen und Internet haben Konjunktur. Die wissenschaftliche Erforschung dieser Sparte der Kultur hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Im Frühjahr 2010 fand an der Universität Potsdam die erste internationale und interdisziplinäre Tagung zum Thema „Russische Küche und kulturelle Identität“ statt. Der vorliegende Sammelband enthält viele der dort vorgestellten Beiträge in Aufsatzform. Es sind kultur- und literaturwissenschaftliche Untersuchungen zu Essen und Trinken in Russland. Untersucht werden nicht nur die Bedeutung einzelner Speisen und Zubereitungsarten und die Mahlzeit als soziales Geschehen, sondern auch der Verzicht auf Nahrung, sei es freiwillig als Fasten, sei es erzwungen als Hunger. Eine andere Gruppe von Beiträgen geht der Rolle des Essens als literarischem Motiv nach, eine weitere bildlichen Darstellungen. Auch das Trinken wird bedacht. In der Kultur durchweg klar kodiert, eignen sich Essen und Trinken ganz besonders als literarische Zeichen, die in den Werken unterschiedlichste Funktionen übernehmen können. Als Ganzes eröffnen die Beiträge erste Durchblicke in ein großes und bislang oft vernachlässigtes Forschungsgebiet." Quelle
"Die Ukrainer essen zu jedem Glas Schnaps etwas Nahrhaftes und Intensives, Speck zum Beispiel. Die Russen essen nichts dazu, riechen nur manchmal am Brot – ihrer Ansicht nach ist es hinausgeworfenes Geld, zum Wodka etwas zu essen. Er soll nicht schmecken, sondern wirken. Und die Chance darauf ist um so größer, je weniger gegessen wird. (Andruchowytsch 2005)
Американцы наивные, черствые, бессердечные. Дружить с американцами невозможно. Водку пьют микроскопическими дозами. Все равно что из крышек от зубной пасты… (Dovlatov 2000, 104)"*
*Die Übersetzung von Anne Hultsch: „Die Amerikaner sind naiv, gefühllos, herzlos. Mit Amerikanern befreundet zu sein, ist unmöglich. Sie trinken den Vodka in mikroskopischen Dosen. Soviel wie aus dem Verschluß einer Zahnpastatube…“Quelle
"Regisseur Philipp Eichholtz über seinen Film:
LIEBE MICH! ist ein handgemachter Improvisationsfilm ohne großes Budget oder Filmförderung. Er entstand nach dem “Sehr gute Filme"-Manifest von Axel Ranisch und wurde mit einem sechsseitigen Drehbuch innerhalb von zehn Tagen in Berlin gedreht.
Sarah ist laut, unangepasst, taktlos, ehrlich und provokant. Sie wirkt unverwundbar, doch der Schein trügt. Sarah ist einsam. Ab und an trifft man auf Menschen, an denen man wächst. Für mich war Sarah so eine Person.
Nach drei Jahren Sehnsucht, Herzschmerz und Liebeskummer ist dieser Film ein Liebeserklärung an alle lauten, impulsiven und fordernden Menschen, die ihre Fehler und Macken offen und mutig nach außen tragen.
(...)
Am Ende kostete der Film 4000€. Ich bin jetzt pleite, konnte dafür aber meinen persönlichen Seelenfrieden mit der „echten" Sarah finden. Billiger als ein Psychiater. Leider werden Filme noch nicht von der Krankenkasse gefördert." mehr lesen
Sehr gutes Manifest
"I. Ein sehr guter Film hängt nicht vom Budget ab. Er entsteht in Freiheit selbstbestimmt und unabhängig quasi von glücklichen Filmautoren. Sehr gute Filme sind die Bio-Produkte der Deutschen Filmlandschaft.
II. Sehr gute Filme entstehen von der Idee, über den Dreh, bis zum Schnitt in einem Schwung -
wie in einem einzigen, rauschhaften Arbeitsvorgang. Die Intuitionen ist ihr wichtigstes Werkzeug,
sie zu achten ihr oberstes Gebot.
III. Redakteure, Produzenten und Förderer dürfen und sollten sehr gutes Geld investieren. Eine inhaltliche Bevormundung aber ist kontraproduktiv. Sie würde den Arbeitsfluss empfindlich behindern und das scheue Pflänzchen Intuition vergiften.
IV. Eine sehr gute Komödie stellt immer die größtmögliche in den Mittelpunkt ihrer Handlung. Eine sehr gute Tragödie geht ans Herz, weil sie die Komik des Alltags nie aus den Augen verliert.
Sehr gute Filme sind beides : tragisch und komisch.
V. Das Drehbuch ist eine Bedienungsanleitung für die vielen Mitarbeiter eines Films.
Das Drehbuch ist aber auch ein Rasenmäher der Intuition. Ein sehr gutes Filmteam ist so klein, beweglich und spontan, dass es eine Bedienungsanleitung nicht benötigt. Es gleitet auf den Wellen
des Momentes. Sehr gute Schauspieler, Kameramänner, Regisseure und Produzenten können das.
VI. Sehr gute Filme sind Kinder einer intakten Filmfamilie. Sie entstehen aus Leidenschaft. Ihre Themen sind wahrhaftig, ihre Helden kommen aus der Nachbarschaft und trotzdem bewegen sie
sich zwischen Realismus und Fantasie, zwischen Alltag und Abstraktion.
VII. Sehr gute Filme sind nie länger als 90 Minuten, treten gern im Rudel auf, nehmen sich selbst nicht so wichtig, dürfen auch mal daneben gehen, machen Spaß, bereichern jedes Festival, sind musikalisch, politisch, einfach gestrickt und abgrundtief echt.
VIII. Sehr gute Filme sind mit nichts zu vergleichen. Sie sind in der ersten Einstellung als solche zu erkennen. Sie sind Rohdiamanten, kantig, charmant und extravagant. Sehr gute Filme haben keine Vorbilder. Sie wollen weder wie andere Filme sein, noch sich selbst wiederholen.
Jeder sehr gute Film hat das Recht sich gänzlich neu zu erfinden."
"Nicht wegen des nahenden Krieges, sondern aus einem anderen, unklaren Grund durchfuhr es mich manchmal im Innersten in jenem Herbst des Jahres 1947, vor lauter wehem Sehnen, vermischt mit tiefer Scham, dem sicheren Wissen bevorstehender Strafe und auch einem vagen Schmerz: Es war eine verbotene Sehnsucht, eine Sehnsucht durchtränkt mit Schuld und Kummer, nach den Labyrinthen jenes Obstgartens. Nach der Zisterne, die mit einer grünen Metallplatte abgedeckt war, nach dem fünfeckigen Zierbecken mit seinen himmelblauen Kacheln und dem Gold seiner Fische, die einen Moment im Sonnenlicht glitzerten und gleich wieder im Dicklicht der Wasserrosen verschwanden. Nach den weichen Kissen mit fein gewellten Spitzen. Nach den üppigen Teppichen mit den eingewebten Paradiesvögeln in paradiesischem Gezweig. Nach den Kleeblättern im Fensterglass, Blatt für Blatt mit eigenem Licht, ein Blatt rot, ein Blatt grün, ein Blatt golden, ein Blatt lila.Aus: Amos Oz, "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis", Suhrkamp Verlag, 1. Auflage 2006, S. 536-537.
Und auch nach dem Papagei, dessen Stimme wie das Krächzen eines alten Rauchers klang: "Mais oui, mais oui, chère Mademoiselle", und nach einer Partnerin mit de Sopranstimme, die ihm glockenhell antwortete: "Tfaddal! S'il vous plait! Enjoy!"
Ich war doch einmal dort gewesen, in jenem Obstgarten, ehe ich schmächlich daraus vertrieben wurde, ich hatte ihn doch einmal mit Fingerspitzen berührt -
"Bass. Bass. Bass min fadlak. Uskut." "Genug. Genug. Genug bitte. Still."
Frühmorgen erwachte ich beim Duft des ersten Morgenlichts und sah durch die Ritzen des geschlossenen Eisenladens den Granatapfelbaum in unserem Hof. Dort, im Versteck jenes Grantapfelbaums, wiederholte jeden Morgen ein unsichtbarer Vogel präzise und mit leuchtender Fröhlichkeit die ersten fünf Töne der Melodie "Für Elise".
So ein redseliger Dummkopf, so ein lauter Dummkopf: Statt auf sie zuzugehen, wie der neue hebräische Mensch auf das edle arabische Volk oder wie ein Löwe, der sich zu Löwen gesellt, hätte ich doch einfach auf sie zugehen können wie ein Junge auf ein Mädchen? Oder nicht?"
"Sometimes you need a growl. You need a heavy atmosphere. There’s no separation between electronic music and acoustic music. It’s all one thing. Each song has its own heartbeat. Each song has its own soul. The song: "Stick"? That needed to be chunky and sexy. It’s human. It’s human to be the girl in “Stick” and feel spicy as heck." Quelle
"Eindringliches Spielfilmdebüt der gebürtigen Israelin Michale Boganim: Die Katastrophe von Tschernobyl ist Ausgangspunkt für eine Geschichte, die weit über den konkreten Fall hinausgeht und zu einem kritischen Nachdenken über die Frage nach der Bindung an den Ort wird, der für Heimat und Verwurzelung steht. In den Hauptrollen: Olga Kurylenko und Andrzej Chyra." weiter lesenDer Film wurde in der Tat an den Originalorten rund um Tschernobyl gedreht... (darüber lesen)
"In einem Moment seltener Verlangsamung von Zeit und Gedanken bemerkte ich plötzlich die Bücher. Marcel Reich-Ranicki frage mich, ob ich leben könnte von dem, was ich tue, und ich sagte Ja und guckte erstaunt über seine Schulter zum Regal, wo sie in acht, neun langen, überfüllten Reihen standen. Er allein hatte diese Bücher in den letzten fünf Jahrzehnten geschrieben - seit er wieder in Deutschland war, seit er das machen konnte, wovon er im Zug nach Polen 1938 geträumt hatte, wenn er nicht gerade Balzacs "Frau von dreißig Jahren" las, das einzige Buch, das er außer ein paar Kleidern und seinen wertlosen Judenpapieren mitnehmen durfte. Seine letzte Arbeit, die Kassetten mit den besten deutschen Romanen, Essays und Theaterstücken, wie er meinte, lagen quer in den Regalen, und auf jeder Kassette war ein Foto von ihm.[...] Aber ich dachte immer nur an die Bücher in den Regalen hinter ihm. Sie waren die Antwort, die ich von ihm brauchte, jetzt wurde es mir klar. Er, noch gottloser als mein Vater, der zumindest einmal im Jahr in die Synagoge ging, um die Lieder zu hören, die bei ihm zu Hause in Moskau im stibl heimlich gesungen wurden, er, dem Israel nicht näher war als New York oder Warschau, er, der nicht auf einem jüdischen Friedhof liegen wollte - er war der jüdischte Jude, den ich je treffen werde. Er hatte nur Worte, harte, schmetterlingszarte, spinozahafte klare Worte, mehr nicht, und keine Treppe zum Himmel, kein offenes Israelticket bei El Al. So schrieb er sich - Jude ist Jude - um sein Leben ins Leben hinein, nicht umgekehrt." (Maxim Biller, "Der Gebrauchte Jude")
"Poetry is a verdict, not an occupation...Once the fire celebrated Light, the dirt Humility, the blood Sacrifice... Once, for a while, he seemed to serve something other than himself. Those were the only poems he ever wrote. They were for Shell. He wanted to give her back her body." (Roman "The Favourite Game", Leonard Cohen, Quelle)
"This informal black-and-white portrait of Leonard Cohen shows him at age 30 on a visit to his hometown of Montreal, where the poet, novelist and songwriter comes "to renew his neurotic affiliations." He reads his poetry to an enthusiastic crowd, strolls the streets of the city, relaxes in this three-dollar-a-night hotel room and even takes a bath."
"A lot of Donald's work was salvage jobs for other people, and that's how he came to do this film. Don Owen shot the tour of the four poets, couldn't get it to work and Brittain came in and saw that the only thing that worked was the Leonard Cohen segments.
The most interesting thing is the exploration of documentary truth, where Cohen writes in the bathtub, caveat emptor, and then the two of them sit in the theatre and Don questions him about that scene. It's an interesting exchange. The whole film is basically the two of them saying, "Don't believe everything you see just because it's documentary."
They stayed friends all their life. Cohen was at Don's funeral in tears. They recognized each other as authentic human beings. They lived the lives they wanted to lead. - by Adam Symansky" Quelle
“I must go now."
"Stay up the night with me! We'll go to the fish market. There are great noble monsters packed in ice. There are turtles, live ones, for famous restaurants. We'll rescue one and write messages on his shell and put him in the sea, Shell, seashell. Or we'll go to the vegetable market. They've got red-net bags full of onions that look like huge pearls. Or we'll go down to Forty-second Street and see the movies and buy a mimeographed bulletin of jobs we can get in Pakistan --"
"I work tomorrow."
"Which has nothing to do with it."
"But I'd better go now."
"I know this is unheard in America, but I'll walk you home."
"I live on Twenty-third Street."
"Exactly what I'd hoped. It's over a hundred blocks.”