15. Januar 2008

Sprache in der Sprachlosigkeit

Heute, am 15. Januar '08, wird auf 3Sat um 22:25 ein sehr interessanter Film des polnischen Regisseurs Andrzej Zulawski "Meine Nächte sind schöner als deine Tage" ("Mes nuits sont plus belles que vos jours", Frankreich 1989) ausgestrahlt.

"In MEINE NÄCHTE SIND SCHÖNER ALS DEINE TAGE, inspiriert durch Raphaele Billetdoux’ gleichnamigen Roman, wird der Verlust der Sprache zum eigentlichen Thema des Films. Der Informatiker Lucas (Jacques Dutronc) entwickelt eine neue Computersprache und leidet fortan an einem Gehirntumor, der beständig sein Erinnerungsvermögen schädigt. Um so viele Wort wie möglich zu bewahren, beginnt er, eine exzessive Gesprächskultur zu praktizieren. In einem Straßenbistro begegnet er der jungen Blanche (Sophie Marceau). Die Frau lebt in Abhängigkeit zu ihrem zwielichtigen Ehemann und einer lebenslustigen Mutter (Valérie Lagrange). Lucas wird besessen von Blanche und folgt ihrem Weg nach Biarritz, wo sie in einer esoterischen Stripshow vor dekadenten Reichen tanzen soll. Die beiden gequälten Seelen verleben drei leidenschaftliche Tage am Meer, wo sie sich vor allem auf physisch-sexueller Ebene begegnen und eine eigene Form der Kommunikation entwickeln, wie es der selbstgewählten Isolation der Liebenden entspricht. Die Sprache der Sinne ersetzt die verbale Kommunikation.
(...)
Für Zulawski ist die exzessive und oft scheinbar ziellose Sexualität seiner Protagonisten eine finale Sprache, die Sprache der Verzweiflung angesichts der Unmöglichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation. Als einzige und letzte Utopie bleibt letztlich doch nur: die Liebe. „Es ist wichtig, zu lieben.“" weiter lesen


" Der polnische Regisseur Andrzej Zulawski („Nachtblende“), der mit seinen überwiegend in Frankreich gedrehten erotischen Dramen die existentiellen Abgründe der menschlichen Psyche ausleuchtet, wurde für „Meine Nächte sind schöner als deine Tage“ seinerzeit von der Kritik gescholten. Die 2007 veröffentlichte, 15 Minuten längere integrale Fassung zeigt nun, dass ihm Unrecht getan wurde. Denn die jetzt zum Vorschein kommende Komplexität der Charaktere verdichtet sich zu einem spannenden, exzentrischen Drama, einer Reflexion über die Vergeblichkeit der Liebe im Zeichen des Todes und über die Unmöglichkeit einer Sprache der Liebe im Zeichen der Sprachlosigkeit. " mehr

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Fühlte mich angesprochen.
Kenne gerade jemanden, mit dem ich mich nr über BErührungen verständigen kann, wenn wir reden, geht das irgendwie nicht richtig. Das ist aber unheimlich. Wenn ich ihn nicht sehe, kann ich ihn vergessen, sobald ich ihn sehe oder am telefon höre, bin ich wie elektrisiert. ist das Liebe?
Ich habe meine Zweifel.
Kennt ihr das?

Grüße von dietines

Ann hat gesagt…

Liebe Dietines,

Ich denke, wenn man sich zu jemandem hingezogen fühlt, wenn man verliebt ist, dann drehen sich die Gedanken fast ständig, ob man will oder nicht, um diese Person. Man kann sie nicht vergessen und möchte auch vieles, was man selbst erlebt, diesem Menschen mitteilen und auch von ihm das gleiche hören, auch seine Meinung usw. Sprachliche Kommunikation spielt dabei grosse Rolle. Natürlich auch körperliche, denn die Liebe an sich ist doch bereits eine Art der zwischenmenschlichen Sprache. Es kommt natürlich auch auf den Menschen an, ob er eher schweigsam und zurückhaltend ist, oder offener, wortgewandter.

Aber Kommunikation nur über die Berührung, weil die Worte nicht ihren Platz finden können, und wenn du ihn nicht siehst, du ihn vergessen kannst, ist etwas, was vielleicht nur auf eine Affäre hindeutet, ohne tiefe Gefühle. Vielleicht nur ein dich glücklich machender, aber nicht lange bindender Lebensabschnitt. Das könnte natürlich auch in die Gefühle hinauswachsen, aber meiner Ansicht nach ist es eher Seltenheit, denn es ist dann die umgekehrte Entwicklung... Könnte aber schliesslich in eine Freundschaft übergehen.

Im Film war es etwas anders. Der Protagonist litt daran, dass er seine Sprache Tag für Tag verlor und nicht mehr das ausdrücken konnte, was in ihm war. Darum um sie kämpfte, mit anderen Mitteln. Und erst deswegen ersetzte Intimität die normale Sprache, aber das ist eine Utopie.

Das waren meine Überlegungen dazu. Letztendlich musst du dich selbst fragen, ob man auf Dauer nur physisch mit dem Menschen verbunden sein möchte, ohne dabei durch tiefe Emotionalität, die unter anderem auch durch Worte geschieht, gebunden zu sein.

Schönen Gruss
Ann