20. Juni 2011

Höre

Gerade höre ich den von draußen dringenden lauten Katzenjammer... Zu diesem Gedicht passt es aber definitiv nicht... Ich habe Sehnsucht...

Else Lasker-Schüler (1869 - 1945) Biographie

Höre

Ich raube in den Nächten
Die Rosen deines Mundes,
Daß keine Weibin Trinken findet.
Die dich umarmt,
Stiehlt mir von meinem Schauern,
Die ich um deine Glieder malte.
Ich bin dein Wegrand.
Die dich streift,
Stürzt ab.
Fühlst du mein Lebtum
Überall
Wie ferner Saum? 

14. Juni 2011

Requiem

Zur Musik von Schnittke...

Oh liebe Nacht, du bist mir willkommen, um mir zuzuhören, um mich zu umarmen, als ich noch ein Kind war. 

Ein Wort zu gebären, damit man nicht einsam,
Ein Wort zu vergeben, damit nicht allein
Man abends in einer Steinhütte aus Kälte
Das Herz vom Zerschlagen für sich aufbewahrt.

Ein Wort aufzupäppeln, vom Hass zu verdecken.
Die Öffnung der Seele, die er mir vermacht,
In Angst zu verstecken. Ein Wort zu verbrennen,
Damit keiner findet und Liebe nicht flammt.

Ich bin nicht geboren, auch nicht meine Enkel.
Sie werden nicht schreien, dass ich jene wäre,
Die sie ihm verschenkte - ihm, Dämon der Wünsche.
Bekleidet in Blumen trugen mich seine Glieder
In Stille im Frühling zum goldenen Grab.

Lebendig begraben hat er mich zusammen 
Mit meinem Alleinsein samt all meinen Kindern.
Das Herz folgt jetzt keinem und ist nur aus Harz.

Juni 2011

Alfred Schnittke "Requiem"
 

7. Juni 2011

Puppe

Ich habe ihn erfunden
Aus Tausenden von Scherben.

Was ist der Sinn eines Regentropfens, der mit geballter Kraft auf den Kopf fällt... Nicht mehr, als denjenigen Glücklichen nass zu machen. Der leise Weg des Wassers findet sich in dem Wirrwarr der Haare und strömt über das Gesicht. Rechts ein Fluss, links der Ozean und in der Mitte eine Pfütze - das alles an einem einzigen Körper. Es regnet heftiger, es strömt häufiger. Nie mochte sie den Regen, doch über die Sonne schreiben sich die Gedichte nicht so flüssig, wie über das Nasse, dessen Vorübergehen man wünscht.
Sie schaute sich ihre Adern an. Wegen ihm, sich wegen Sebastian umbringen? Blau leuchteten sie, die Wege, ihre Haut in den Handgelenken war ziemlich dünn, durchlässig, fein, wie diejenige einer Puppe, jeder einzelne Blutweg war leicht zu finden. Nicht wegen Sebastian, aus Grund des Stillens des Schmerzes. Der Gedanke verweilte eine Minute (sie berührte sogar ihre Hände an den gewissen Stellen, jedoch erschreckte sich selbst, dass sie sich gar nicht mehr aufschreckte, sich so etwas vorzustellen) und lief weg, wie eine Spinne, die über Sommer ihr Zuhause hinter der alten Heizung finden konnte. Jemand klopfte an dem Heizkörper, es kam von unten, als ob er die bösartigen Geister vertreiben und die Ankunft einer neuen Ära ankündigen wollte. Sie fand das tote Ungeziefer am Boden. Bis zum nächsten Anfall der Kraftlosigkeit und Atemschwere. Sie bekam keine Luft und erstickte bei solchen Gedanken. Man soll also den Schmerz ausleben und sich als schwach bezeichnen. All die Werners, Philips und Sebastians überleben.

06. Juni 2011

24. Mai 2011

Nasenbluten

Als der kalte Dezember noch wehte...


* * *
Ich reiß dich aus, aus mir, aus meinem Körper.
Die Fäden, die mein Herz vergiften, sind zu lang.
Ich ziehe sie aus mir, sie fliegen umher, bleiben hängen.
Fest hast du mich an dich genäht, du hältst den Arm
In deinen Klauen des Schmerzes und der Unschuld.
Nie wieder will ich dich in deiner Nähe sehen
.
Nie wieder will ich dein Gesicht vermissen und dein Blau.
Nie wieder werde ich zur Sklavin, gar nie mehr.

Du liebst mich und vernichtest mich im Gleichen.
Sieh zu, dass du auch ohne mich auskommst.
Ich nehme meine Seele und Verwandtschaft,
Das Licht geht mit der Kerze morgens aus.
Mit jener Kerze aus dem Schmerz der Magengrube - 
Mit jener Kerze aus dem Nasenbluten aufs Papier - 
Mit jener brennenden und folternden Unruhe - 
Es waren ich und Rhein, der sich an mir verging.

22. Dezember 2010


Pink Floyd "Hey You" 


23. Mai 2011

Michail Barishnikov

Michail Barishnikov...

Das Lied im Video ist die Vertonung eines Gedichts von Joseph Brodsky "Neuzheli ne ya" mit einigen Bildern aus Sankt Petersburg, gesungen von Svetlana Surganova (sollte ich eine Übersetzung ausfindig machen, wird sie nachgereicht)