Einmal müssen zwei auseinandergehn;
einmal will einer den andern nicht mehr verstehn—
einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein –
wer ist daran schuld?
Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit.
Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit.
Jeder trägt den andern mit sich herum –
etwas bleibt immer zurück.
Einmal hat es euch zusammengespült,
ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann erkühlt –
Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab -:
ein neuer Mensch.
Jeder geht seinem Schicksal zu.
Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du.
Jeder sucht seine Zukunft. Und geht mit stockendem Fuß,
vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und Gruß
in ein fernes Land.
Hundreds "What Remains" (Penwood Heavy Handed Remix)
Da bist du, von Feuer zu Feuer springst mit den nackten Füssen über den wilden Flammen, du - das neue Jahr, das in Paris begonnen hatte und das Alte hinter dir ließest. Angezündet hast du es in mir und es taumelt langsam das Neue, das Schöne, das bis zur Schmezensgrenze Sanfte und nach Geborgenheit stark Verlangende. Das Jahr ist noch ein Kind, wie ein kleiner Marienkäfer, der in meiner Provinzstadt-Wohnung, fern von Paris, den Winter gerade überwartet und meine Hand als seine Landefläche entdeckt; es kitzelt, wenn er über meine schreibende Hand kriecht. Es ist da, an meiner Hand, spürst du es?
Die Freiheit mit dir spüren, sie ausrufen können, wie ein Wolf zu dem Himmel, wie ein nie bis jetzt frei gewesener Mensch in der Ekstase der Einigung mit der Natur, deiner Natur, in der Kälte, die das Feuer zum Menschen macht.
Frei zu sein, in dir, zu küssen, zu wollen, zu träumen, so schön zu träumen, so unschuldig. So nackt in unseren Träumen.
Und dann las ich Else...
Porträt von Else Lasker-Schüler, 1907, Quelle: Public Domain, via: wikipedia
Mein Liebster, bleibe bei mir die Nacht. Ich fürchte mich vor den dunklen Lüften. Ich hab' so viel Schmerzliches durchgemacht Und Erinnerung steigt aus den Totengrüften. Ich fürchte mich vor dem Heulen der Stürme Und dem Glockengeläute der Kirchentürme, Vor all' den Thränen, die heimlich fließen Und sich über meine Sehnsucht ergießen.
Leg deine Arme um meinen Leib, Du mußt ihn wie dein Kind umfassen; Ich seh' im Geiste ein junges Weib - Das Weib bin ich - von Gott verlassen ..... Mein Liebster, erzähle von heiteren Dingen! Und ein Lied von Maienlust mußt du singen! Und herzige Worte und schmeichelnde sag -... Damit sie die Raben des Schicksals verjagen.
Mein Liebster, siehst du die bleichen Gespenster? Von mitternächtlichen Wolken getragen... Sie klopfen deutlich ans Erkerfenster. Ein Sterbender will »Lebewohl« mir sagen. Ich möchte ihm Blüten vom Lebensbaum pflücken.... Und die Schlingen zerreißen, die mich erdrücken! Mein Liebster, küsse, - küß' mich in Gluten Und laß deinen Jubelquell über mich fluten!
Vor kurzem sah ich einen Film, in welchem mein vergangenes Leben mir selbst vor die Augen geführt wurde. Dabei improvisierten die Schauspieler, sie waren bloss unglaublich ehrlich mit den Gefühlen, die sie spielten, und sich selbst treu. Man wird einfach an die Wand gedrängt, in die Wand hinein, obwohl es gar nicht mehr weiter geht, und man daran zerbricht.
"Und der ist extrem glaubwürdig im Porträt einer Frau, die beinahe
zugrunde geht am Versuch, sich zwischen den widersprüchlichen Signalen
des von ihr geliebten Mannes nicht selbst zu verlieren. Sich nicht
aufzulösen, weil sie ins Magnetfeld eines Narzissten geraten ist. Aus
seiner Sicht ist sie zuletzt wohl nur eine Art Kollateralschaden. Ihr wird
der magere Trost bleiben, dass der Anfang wirklich, wirklich wunderschön
gewesen ist. Eben zu schön, um wahr zu sein. Grandioser, gnadenloser,
absolut sehenswerter Film." Johanna Adorjan über den Film in FAZ
Die Musik ist schön, aber warum muss im offiziellen Musikvideo eine Frau zu einer Sklavin werden? Mir wird dabei nicht gut zumute. Daher höre ich es mir nur an, ohne das Bild.
"Seiltänzerin ohne Netz" Mein Leben war ein Auf-dem-Seile-Schweben. Doch war es um zwei Pfähle fest gespannt. Nun aber ist das starke Seil gerissen: Und meine Brücke ragt ins Niemandsland.
Und dennoch tanz ich und will gar nichts wissen, Teils aus Gewohnheit, teils aus stolzem Zorn. Die Menge starrt gebannt und hingerissen. Doch gnade Gott mir, blicke ich nach vorn. (aus: In meinen Träumen läutet es Sturm)