27. Dezember 2014

Sie weinte und lachte und sprach...

Vor einem Jahr durfte ich zusammen mit zwei wundervollen Männern: dem Dichter Michael Starcke und dem Gitarristen Peter-Rainer Überbacher einen literarischen Salon zu Hause bei der Familie Jacobs eröffnen. Es war ein sehr schönes Ereignis, über welches ich damals hier berichtete. Der Salonabend wurde gefilmt und endlich erreichte mich das Ergebnis.

-- Verzeiht bitte nur die ein wenig schlechte Qualität, wenn es ausgerechnet um die kurzen Aufnahmen von uns geht, da die Lampe mich manchmal verunstaltet... Wir wurden ganz kurz gezeigt, aber nach einer sehr schönen Frage im Film. Mehr davon und vor allem auch endlich die Gedichte selbst gelesen folgt unter diesem Film in den kleinen Videoausschnitten. Ich war verwundert, wie man selbst es nur schafft, innerhalb eines Abends Emotionen eines ganzen Lebens einer Frau darzubieten und zwar abwechselnd zwischen Schmerz, Träumen, Hoffnung und Traurigkeit... Danach hat man zwar keine Kraft mehr, aber das Innere - die Hingabe - ist hier verewigt. Danke an Renate für ihre Idee und ihr warmes Haus und Herz und danke an den wunderbaren Dichterfreund Michael Starcke und die zarte Musik von Peter-Rainer, die mich heute unweigerlich daran erinnerte, als ob wieder in der Sowjetunion am Silvester gewesen zu sein, im Film und der Musik von "Ironie des Schicksals" oder  "Ironija sudby ili s legkim parom".  

Genießt es... 




Die Salon-Auschnitte mit vielen Gedichten, die ich darin vorlese...





Wunderschöne Musik






... und Paar Gefühle in einem ganz normalen Bild-Format (zum Vergrößern anklicken)













Großen Dank an Hannah fürs Filmen!


 Mehr Gelesenes von mir:

26. Dezember 2014

Insensatez

Nova "Insensatez"


Mariza & Iván "Melón" Lewis "Insensatez"


"Insensatez" ("Foolishness" or "Folly"), 1961
Musik: Tom Jobim, Worte: Vinicius de Moraes

Ah, foolishness
What have you done
Such a reckless heart
You made cry from pain
Your love
Such a delicate love
Ah, why were you
So weak that way
In such a soulless way
Ah, my heart
That never loved
Doesn’t deserve to be loved
Go on, my heart
Listen to reason
Use only sincerity
He who sows wind
So says reason
Always reaps storms
Go on, my heart
Plead forgiveness
Forgiveness, in love
Go on
Because he who doesn’t plead forgiveness
Is never forgiven

[Quelle


Es gibt eine englische Version des Liedes, mit einem ganz anderen Text... "How insensitive". Vor einigen Jahren hat es mir ziemlich angetan... Hier.

5. Dezember 2014

Ohne Namen

Obsessiv

Mit deinen Lippen öffnest Grenzen,
In welche ich gewiesen bin.
Wie tätowiert  erwachen Träume
Auf meiner Haut,  in meinen Fasern,
Von meinen Schultern, wilden Wellen,
Zu deinen Knochen an den Händen.
Durch eine Lücke, eine kleine, in deinem Mund
Zwischen den Zähnen, fließen die Sterne -
Harte Körper -
In mich, mit einer ungewohnten Wärme.

Von deinem Himmel bis an meine Gräser.


03. - 04. Dezember 2014




Weitere Obsessionen sind im folgenden Lied zu hören...
Banks "Stick" (lyrics)

"“Stick” is a song off of Bank’s debut LP, Goddess. It’s a love song centered on lustful obsession.
As Banks described in one interview:

"Sometimes you need a growl. You need a heavy atmosphere. There’s no separation between electronic music and acoustic music. It’s all one thing. Each song has its own heartbeat. Each song has its own soul. The song: "Stick"? That needed to be chunky and sexy. It’s human. It’s human to be the girl in “Stick” and feel spicy as heck." Quelle

Danke an jemanden für das Lied und die Inspiration...

Ob es Liebe ist, fragen sich die beiden in "New York, I Love You". Bradley Cooper ist einer von denen...

Zarte Dunkelheit

Die Sonne küsste das Gewitter,
Des Himmels zarte Dunkelheit.
Ich roch die Nacht
In ihrer mehrenden Verzückung,
Von deinem Hemd in meiner Hand.

4. Dezember 2014



"Kiss" von See-ming Lee from Hong Kong SAR, China [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons



"Kiss" von See-ming Lee from Hong Kong SAR, China [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons



"Kiss" von See-ming Lee from Hong Kong SAR, China [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons


Angekettet

* * *
Der Winter hat blaue Augen,
Sie umarmen mich zu Tode.
Der Winter mit den eisigen Klauen
Kettet an, an die Herzens Hölle.

Es gibt keine Brücke, die rettet.
Den Rückwärtsgang aus den Nöten.
Wie das Laub verlier ich die Jahre
Für das Glück, das ja nicht leugnet,
In der Liebe, die nicht nötigt.

25. November - 4. Dezember 2014 



Liann La Havas "Elusive" (lyrics)


Heute scheint der Vollmond ein Gast in meiner Küche zu sein, es ist sehr hell, wenn ich in der erwarteten Schwärze eine Teetasse zu ihrem Platz bringe. Ich verwandle mich nicht in einen Vogel und keinen Nachtschmetterling, auch wenn ich unglaublich gerne fliegen wollen würde. Fliegen. Aus dem Herbst zu dir.
Die Abende sind dunkel und das Licht fehlt. Es ist noch gar nicht richtig kalt, aber morgens, wenn man sich in die Stadt halb im Schlaf bewegt, frostet es ein wenig. Mir ist es kalt. Oder wenn die Bahn direkt in den Nebel über dem Rhein reinfährt und wieder aus dem milchigen Kokon rausschlüpft, verbreitet sie die Melancholie. Das Mysterium und die Blätter unter den Schuhen knistern. Will sie wieder an die Bäume kleben und färben. Mit Gewalt festhalten. Die Wärme. Die Wärme anzünden. Du auch? Nimm mich mit Gewalt aus der Einsamkeit des Herbstes. Dann kommt die Zeit, die richtige Zeit für alles. Das darfst du. 

November 2014


Auch wunderschön von der Sängerin:

4. Dezember 2014

Outer Space

... Faszination Weltraum. Ich freue mich auf diese Ausstellung in Bonn, die noch bis zum 22. Februar offen sein wird.


Zwei Versuche

Peter Härtling (*1933, Chemnitz)

ZWEI VERSUCHE, MIT MEINEN KINDERN
ZU REDEN

I

Ich wollte dir erzählen,
mein Sohn,
im Zorn
über deine scheinbare
Gleichgültigkeit,
über die eingeredete
Fremde
zwischen uns,
wollte ich dir erzählen,
zum Beispiel,
von meinem Krieg,
von meinem Hunger,
von meiner Armut,
wie ich geschunden wurde,
wie ich nicht weiterwußte,
wollte dir
deine Unkenntnis
vorwerfen,
deinen Frieden. .
deine Sattheit,
deinen Wohlstand,
die auch
die meinen sind,
und während ich schon
redete,
dich mit Erinnerung
prügelte,
begriff ich, daß
ich dir nichts beibrächte
als Haß und Angst,
Neid und Enge,
Feigheit und Mord.
Meine Erinnerung ist
nicht die deine.
Wie soll ich
dir das Unverständliche erklären?
So reden wir
über Dinge,
die wir kennen.
Nur wünsche ich
insgeheim,
Sohn, daß du, Sohn,
deinem Sohn
deine Erinnerung
nicht verchweigen mußt,
daß du
einfach sagen kannst:
Mach es so
wie ich.
versuche
zu kämpfen,
zu leben,
zu lieben
wie ich,
Sohn.
 
II

Ich wollte dir erzählen,
meine Tochter,
von meiner ersten
Liebe,
von dem Schrecken
einer
fremden Haut,
von trockenen
suchenden
allmählich
feucht werdenden
Lippen,
vom Atem,
der einem
ausgeht,
von Wörtern,
die Luftwurzeln haben,
von der Sehnsucht,
für einen Augenblick
so zusammen
in der Mitte der Erde,
der Kugel Erde,
ruhen zu können,
der Kern,
um den alles
sich dreht.
Und am Ende.
Tochter,
roch ich unsern Schweiß,
die Mühe unserer
Liebe,
wie den von Fremden
und wußte.
daß Glück
so fremd riecht.
Du sollst es auch wissen,
Tochter.
 
[Quelle]

La terre outragée

Vor kurzem beeindruckte mich ein Film, den ich zufällig in einer abendlichen Müdigkeit auf arte erwischte. Ohne zu ahnen, worum es gehen würde, hörte ich auf einmal russische Sprache und danach wurde es mir klar. Ich gelang in meine Kindheit, in die Zeit, als alles Gefährliche noch gar nicht als solches erkennbar war. Ich konnte mich daran erinnern, dass mein Vater mir verboten hatte, damals im Frühling 1986, unter den Bäumen und Sträuchen zu spielen. Das Verstecken in den riesigen Büschen liebte ich aber so sehr und schlich mich trotzdem an das Ende unseres Gartens, um dort ganz klein unter den Blättern und Ästen zu verweilen, das Holz zu riechen...

Verwundete Erde. Ein so starker französischer Film, dass ich danach nicht mehr wusste, wo ich bin, warum und überhaupt. Die Hauptdarstellerin hieß natürlich Anja. Und die Regisseurin schien die überwältigende Kraft, welche z.B. Tarkowskij früher überbringen konnte, hier auf der Leinwand in meine Gefühle einzupflanzen. Ja, sie widmete sich dem schmerzhaften Thema, das auch mich nicht loslässt, was eine Heimat sei.



Auf arte selbst erfährt man ein wenig mehr über den Film (auch im Video am Anfang):
"Eindringliches Spielfilmdebüt der gebürtigen Israelin Michale Boganim: Die Katastrophe von Tschernobyl ist Ausgangspunkt für eine Geschichte, die weit über den konkreten Fall hinausgeht und zu einem kritischen Nachdenken über die Frage nach der Bindung an den Ort wird, der für Heimat und Verwurzelung steht. In den Hauptrollen: Olga Kurylenko und Andrzej Chyra." weiter lesen
Der Film wurde in der Tat an den Originalorten rund um Tschernobyl gedreht... (darüber lesen

Ich hatte auch die Möglichkeit, 1990 die Gegend zu besuchen, etwas entfernter vom Reaktor, als in einem Städtchen noch Menschen lebten, bevor man es zur toten Zone erklärte und alle Lebenden erst Jahre später nach dem Reaktorunglück endlich aussiedelte.... Da liegen meine Großeltern auf dem Friedhof in der toten, radioaktiven Zone. Da liegen paar Verwandte mehr in einem Massengrab des 2. Weltkrieges. Da hatte mein Vater seine ersten Schritte vor dem Krieg gemacht, meine Großeltern haben sich dort geliebt. Und jetzt wuchert die Radioaktivität ihre lebendigen Blüten hier. Es gibt einen bewegenden Bericht von jemanden, der die verlorene, bereits gestorbene, verseuchte Heimat meiner Familie besucht hatte: Poliske. Auf einem der Bilder ist das Mahnmal am Massengrab zu sehen, den ich eben erwähnte...