19. September 2007

Herbst

Wenn der Herbst seinen Weg antritt, wird mein Herz traurig. Blätter werden gelb, rot, sie hatten ein langes sommerliches Leben, grün und glücklich. Vielleicht auch nicht so grün, auch nicht so glücklich. Vielleicht gab es Krankheiten, die ihre Narben am Körper des Blattes hinterlassen haben. Vielleicht gab es Kriege, deren stumme Zeugen Blätter geworden oder gewaltsam rausgeworfen waren und nur ihre Teile verblieben. Es blieb ein verletzter Teil, und er erhielt sich weiter kraftvoll am Leben. Aber irgendwann kommt der Herbst und das Blatt fällt runter. Es fällt, aber im Frühjahr kommt ein neues, und so wiederholt es sich von Generation zu Generation.


Mein Kopf dröhnt.
Schwarz war die Farbe dieses Tages.
Unruhig ist die Stimme des Herzens.
Es weint um deinen Vater,
Es weint um dich, dass du es nicht kannst.

Ich bin aber da, ich fange dich auf.
Ich fange dich in deiner Trauer auf.
Falle erschöpft, weine, schreie.
Und breite meine Flügel um dich aus.
Schlaf ein, ich wache über deinen Schlaf.

Dein Sohn. Er ist dein Ebenbild.
Was für ein Gefühl ist es, ihn so lange
Verborgen in deinem Herzen zu lieben,
Dich nach ihm zu sehnen, ohne ihn je zu sehen.
Nun stand er da. Dein Spiegelbild, ein 11-jähriger Junge
Mit grossen Augen seinen Vater zum ersten Mal sehend.
Ich weinte, dass ihr euch endlich gefunden habt.
Noch nie habe ich im Zustand unbeschreiblicher Traurigkeit
Solch Wunder des menschlichen Glücks im Unglück erlebt.


Bild von mir: Sonnenuntergang am Nordsee in Belgien

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